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Abhyanga

Abhyaṅga (abhyaṅga; auch Abhyanga, Abhyanjana)

Abhyaṅga bezeichnet die Ölmassage als grundlegende Praxis des klassischen Ayurveda und kann sowohl als Behandlung durch einen Therapeuten als auch in Form der Selbstmassage (Svābhyaṅga) durchgeführt werden. Der Begriff setzt sich aus den Sanskrit-Elementen abhi (hin zu, über) und aṅga (Körper, Glied) zusammen und verweist auf die allseitige, den gesamten Körper einschließende Natur dieser Praxis. In der klassischen Überlieferung gilt Abhyaṅga nicht als gelegentliche Therapie, sondern als tägliche Notwendigkeit zur Erhaltung von Gesundheit, Vitalität und Langlebigkeit; die Aṣṭāṅga Hṛdayam beschreibt in einem vielzitierten Bild, dass Krankheiten denjenigen meiden, der täglich seine Beine und Füße massiert, so wie Schlangen dem Adler ausweichen.

Das primäre therapeutische Ziel der Abhyaṅga ist die Lösung und Ausleitung von angesammelten Toxinen (Āma) und vitierten Doshas aus dem Gewebe. Auf körperlicher Ebene wird ihr eine Verbesserung der Blut- und Lymphzirkulation, Schmierung der Gelenke, Stärkung der Muskulatur und Reduktion von Hautalterungszeichen zugeschrieben; sie gilt deshalb als Jarāhara, als Beseitigerin des Alterns, da sie traditionell als direktes Nährungsmittel der sieben Körpergewebe (Sapta Dhātu) verstanden wird. Auf der Ebene des Nervensystems soll Abhyaṅga durch die Verbindung der Haut mit den inneren Organen beruhigend auf das gesamte Nervensystem wirken, Angst mindern und als wirksames Mittel gegen Schlaflosigkeit und mentalen Stress gelten. Die regelmäßige Ölung stärkt die Haut, beseitigt Trockenheit und verleiht ihr nach klassischer Auffassung einen gesunden Glanz; die Anwendung an Kopf und Fußsohlen soll darüber hinaus Sehkraft und Konzentrationsvermögen fördern.

Die Wahl des Öls wird als klinisch entscheidend betrachtet und richtet sich nach der individuellen Konstitution (Prakṛti) sowie der aktuellen Jahreszeit. Für Vata-dominante Konstitutionen gilt Sesamöl als Mittel der ersten Wahl, da es wärmend, nährend und entzündungshemmend wirkt. Für Pitta-dominante Konstitutionen wird Kokosöl bevorzugt, dem eine kühlende Wirkung zugeschrieben wird. Für Kapha-dominante Konstitutionen empfehlen sich leichtere und stimulierendere Öle wie Senf- oder Sonnenblumenöl. Saisonal gilt Sesamöl als geeignet für die Wintermonate, während Kokosöl in den Sommermonaten bevorzugt wird.

Für die Selbstmassage wird das Öl vor der Anwendung erwärmt; die Behandlung erfolgt in einem warmen, zugfreien Raum. Auf den Gliedmaßen werden lange Längsstriche angewendet, auf Gelenken, Organen und vitalen Energiepunkten (Marma) kreisförmige Bewegungen im Uhrzeigersinn. Eine klassische Sequenz beginnt am Kopf und setzt sich über Gesicht, Hals, Brust, Bauch, Rücken, Arme, Hände, Oberschenkel, Waden und Füße fort. Das Öl soll mindestens acht Minuten, idealerweise bis zu fünfundvierzig Minuten auf der Haut verbleiben, um in die tieferen Gewebsschichten einzudringen.

In der professionellen Anwendung durch einen Therapeuten werden vier distinkte Grundgriffe eingesetzt. Das Klopfen (Tapotement) weckt den Körper und fördert die kapilläre Durchblutung. Die Knetung (Mārdana) entspannt die Muskulatur und löst angesammelten Gewebsstress. Die Reibung (Gharṣaṇa) erzeugt Wärme, die das Öl durch die Haarfollikel in die Srotas einzuleiten hilft. Das Auspressen, klassisch an Gliedmaßen, Fingern und Zehen angewendet, soll traditioneller Auffassung zufolge wachstumsstimulierende Wirkung entfalten.

Abhyaṅga ist kontraindiziert bei akuten Erkrankungen wie Fieber oder ausgeprägtem Erkältungszustand mit Kapha-Aggravation, bei Verdauungsschwäche und Verstopfung, unmittelbar nach einer Hauptmahlzeit oder dem Geschlechtsverkehr, während der Menstruation sowie unmittelbar im Anschluss an Panchakarma-Reinigungsbehandlungen.

Abhyaṅga gehört zur Tradition des klassischen Ayurveda und ist in der Caraka Saṃhitā, der Suśruta Saṃhitā und dem Aṣṭāṅga Hṛdayam als tägliche Gesundheitspraxis beschrieben. Im Kontext der Ayur-Yoga Massage bildet Abhyaṅga die konzeptuelle und praktische Grundlage der Methode Kusum Modak, die die klassische Ölmassage mit passiven Yoga-Dehnungen, dem Einsatz von Kalmuspuder und Bodenarbeit zu einer eigenständigen therapeutischen Schule weiterentwickelt hat.

Siehe auch die Einträge Sapta Dhātu, Srotas, Marma, Āma, Dosha, Taila, Panchakarma sowie Ayur-Yoga Massage.

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Anne Wuchold

Anne ist seit 15 Jahren Yoga- Thaimassage und Shiatsu- Therapeutin.

 

Sie lebte 10 Jahren in Indien, die letzten 5 Jahre in Ägypten, arbeitet weltweit als Körpertherapeutin an Land und im Wasser - Yogalehrerin und Freedive-Instructor, leitet Ausbildungen in Deutschland, begleitet Spirituelle Yoga Reisen durch Indien und Blauer Lotus und heilige Tempel Reise in Ägypten und managed ihr Retreat-Center auf Sardinien.

Als gelernte Schauspielerin vereint sie Heilung, Humor und Leichtigkeit sowie präzise Technik in ihren Ausbildungen. Seit über 10 Jahren ist sie in der Pflanzenmedizin aus verschiedenen Traditionen geschult und hat 2007 Yogatherapie in Kerala studiert.

In Chiang Mai, Thailand, lernte sie von Thaimassage-Meistern mit denen sie heute zusammenarbeitet und deren Wissen weltweit weitergeben darf.

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