
Anuvasana Basti
Anuvasana Basti (anuvāsana basti; auch Sneha Basti)
Anuvasana Basti bezeichnet einen medizinischen Einlauf auf Basis von Ölen oder anderen fettigen Substanzen und gilt als eine der drei Hauptformen der Basti-Therapie im klassischen Ayurveda. Der Begriff anuvāsana leitet sich vom Sanskrit ab und bedeutet sinngemäß „das Verbleiben" oder „das Wohnen danach", ein Verweis auf die charakteristische Eigenschaft dieser Therapieform, dass die fettige Substanz länger im Körper verbleibt als die Kräuterabkochung des Niruha Basti. Die Alternativbezeichnung Sneha Basti (sneha = Fett, Öl; im übertragenen Sinne auch Zuneigung) betont den nährenden und befeuchtenden Charakter der Behandlung. Anuvasana Basti wird in der Überlieferung als die wirkungsvollste Methode zur Behandlung von vāta-Störungen beschrieben und steht dem reinigenden Niruha Basti als komplementäres Verfahren gegenüber.
Die verwendeten Substanzen entstammen sowohl pflanzlichen als auch tierischen Quellen. Als pflanzliches Hauptmedium gilt Sesamöl (tila taila), das aufgrund seiner erwärmenden und vāta-regulierenden Eigenschaften bevorzugt eingesetzt wird; weitere Pflanzenöle sind je nach Indikation möglich. Zu den tierischen Substanzen zählen Ghee (ghr̥ta), Knochenmark (majjā) und Muskelfett (vasā). Die Wahl der Substanz richtet sich nach der Dosha-Konstellation des Patienten: Öl gilt bei vāta- und kapha-Dominanz als besonders wirksam, während Ghee bei pitta-bedingten Störungen bevorzugt wird.
Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem Niruha Basti liegt im Zeitpunkt der Verabreichung. Anuvasana Basti wird unmittelbar nach einer Mahlzeit gegeben; die klassische Überlieferung konkretisiert dies mit dem Bild der ārdra pāṇi avasthā, des Zustands, in dem die Hände des Patienten nach dem Waschen nach dem Essen noch feucht sind. Diese Vorschrift dient dazu, einen leeren Magen zu vermeiden, da das Öl andernfalls zu weit nach oben steigen und Komplikationen verursachen kann. Hinsichtlich der Saisonalität sieht die klassische Überlieferung vor, die Behandlung in kälteren Jahreszeiten tagsüber und in heißen Jahreszeiten sowie während der Regenzeit nachts zu verabreichen; die Regenzeit (varṣā ṛtu) gilt generell als bevorzugte Periode für vāta-bezogene Therapien. Die Lagerungsposition entspricht jener des Niruha Basti: linke Seitenlage mit gebeugtem und zum Bauch gezogenem rechten Bein. Die Verabreichungsfrequenz beträgt in der Regel alle drei Tage; bei Personen mit ausgeprägter Verdauungskraft oder sehr trockener Konstitution kann sie auf tägliche Gaben erhöht werden.
Das therapeutische Indikationsspektrum umfasst alle vāta-bedingten Erkrankungen, die auch für den Niruha Basti als geeignet gelten, mit besonderem Schwerpunkt auf Schmerzzuständen, Lähmungen, chronischer Obstipation und neurologischen Störungen. Darüber hinaus wird Anuvasana Basti bei körperlicher Auszehrung, nach starker körperlicher Belastung sowie bei Kindern und älteren Menschen eingesetzt, in diesen Fällen häufig in der niedrig dosierten Form des Matra Basti. Traditionell wird der Therapie eine stärkende Wirkung auf das Nervensystem, eine Verbesserung der Sehkraft, eine Förderung der Gewebeentwicklung (dhātu-Aufbau) sowie eine Verlangsamung von Alterungsprozessen zugeschrieben, wobei diese Aussagen der klassischen Überlieferung entstammen und nicht im Sinne gesicherter medizinischer Befunde zu verstehen sind.
Der Therapieerfolg zeigt sich nach klassischer Darstellung darin, dass die fettige Substanz nach einer gewissen Retentionszeit zusammen mit Stuhl und abwärtsgerichteten Winden (vātānulomana) wieder ausgeschieden wird.
Kontraindiziert ist Anuvasana Basti bei akutem Fieber, Anämie, Ikterus und prameha (Diabetes). Ferner ist er ausgeschlossen bei Verdauungsstörungen (ajīrṇa), schwachem Verdauungsfeuer, unmittelbar nach dem Konsum von Giftstoffen sowie bei ausgeprägten kapha-Blockaden, Adipositas und Wurmbefall. Hämorrhoiden und Entzündungszustände im Rektalbereich gelten ebenfalls als Kontraindikation.
Gehört zur Tradition des klassischen Ayurveda und des Panchakarma-Systems.
Zu verwandten Begriffen siehe Basti, Niruha Basti, Matra Basti, Panchakarma sowie Vata.
ayur yoga massage · Thai-Massage · Shiatsu · Ausbilderin
Anne Wuchold
Anne ist seit 15 Jahren Yoga- Thaimassage und Shiatsu- Therapeutin.
Sie lebte 10 Jahren in Indien, die letzten 5 Jahre in Ägypten, arbeitet weltweit als Körpertherapeutin an Land und im Wasser - Yogalehrerin und Freedive-Instructor, leitet Ausbildungen in Deutschland, begleitet Spirituelle Yoga Reisen durch Indien und Blauer Lotus und heilige Tempel Reise in Ägypten und managed ihr Retreat-Center auf Sardinien.
Als gelernte Schauspielerin vereint sie Heilung, Humor und Leichtigkeit sowie präzise Technik in ihren Ausbildungen. Seit über 10 Jahren ist sie in der Pflanzenmedizin aus verschiedenen Traditionen geschult und hat 2007 Yogatherapie in Kerala studiert.
In Chiang Mai, Thailand, lernte sie von Thaimassage-Meistern mit denen sie heute zusammenarbeitet und deren Wissen weltweit weitergeben darf.


