
Karna
Karna (karṇa) bezeichnet im Ayurveda das Ohr, eines der fünf Sinnesorgane (Jnanendriya) und eines der sogenannten zehn Tore des menschlichen Körpers. Es ist das für die Wahrnehmung von Schall (Shabda) zuständige Organ und wird grundlegend dem Element Raum (Akasha) zugeordnet. Der Begriff gehört der Tradition des klassischen Ayurveda an.
Anatomische und doshische Rolle
Das Ohr gilt als primärer Sitz von Vata. Aufgrund dieser Verbindung werden Ohrenleiden wie Taubheit, Tinnitus oder plötzliche Ohrenschmerzen häufig auf ein Ungleichgewicht von Vata zurückgeführt. Erkrankungen des Ohrs werden im Rahmen der Urdhvanga Cikitsa, auch Shalakya Tantra genannt, behandelt, jenem Zweig des Ayurveda, der sich mit Leiden von Kopf und Hals befasst. Die klassischen Texte unterscheiden vier Kategorien von Ohrerkrankungen, je nach Beteiligung der Doshas Vata, Pitta, Kapha und Sannipata sowie nach äußeren, exogenen Ursachen.
Therapeutische Behandlungen
Der Ayurveda legt im Rahmen der täglichen Routine (Dinacarya) Wert auf die regelmäßige Pflege der Ohren, um altersbedingtem Hörverlust und Vata-bedingter Steifheit vorzubeugen. Karna Purana, das Ölen der Ohren, besteht darin, die Ohren mit warmem, mediziertem Öl zu füllen; das Verfahren wird bei Ohrenschmerzen, Kiefer- oder Nackensteifheit sowie zur Vorbeugung von Taubheit angewendet. Bei einem gesunden Menschen soll das Öl traditionell für die Dauer von 1000 Matra Kala, also etwa der Zeit, die für 1000 Lidschläge benötigt wird, im Ohr verbleiben. Für die Linderung akuter Ohrenschmerzen werden mehrere spezifische Mittel genannt: Einige Tropfen lauwarmes Senföl sollen plötzliche Ohrenschmerzen und Bläschenbildung heilen können; eine Mischung aus den Säften von Knoblauch, Ingwer und Shigru wird bei Ohrenschmerzen und Blutungen aus dem Ohr empfohlen; Asafoetida (Hingu), mit Öl vermischt, wird zur Behandlung verschiedener Ohrerkrankungen eingesetzt. Im Rahmen einer Ganzkörper- oder Kopfmassage wird zudem Öl auf Ohren und Ohrläppchen aufgetragen, um den Bereich zu schmieren und die Ausscheidung überschüssigen Ohrenschmalzes zu unterstützen.
Karna Marmani
Im und um das Ohr befinden sich mehrere bedeutsame Marma-Punkte. Vidhuram liegt in einer Vertiefung hinter und unterhalb des Ohrs, gehört zur Kategorie der Snayu Marma, also der Sehnen- beziehungsweise Bänderverbindungen, und reagiert empfindlich auf Berührung. Utkshepa befindet sich oberhalb des Ohrs. Karnapali, Karnapala und Karnamula bezeichnen spezifische Punkte am Ohrläppchen, am oberen Ohr beziehungsweise an der Ohrwurzel und werden in der spezialisierten Marma-Massage angewendet.
Symbolik und kulturelle Bedeutung
Ohren und Ohrläppchen tragen in der ayurvedischen wie auch in der indischen Tradition eine bedeutende symbolische Last. Lange, herabhängende Ohrläppchen werden traditionell als Zeichen von Göttlichkeit und langem Leben gedeutet. Das Durchstechen der Ohren galt in alten Praktiken als Mittel, um den Geist zu beruhigen, das Ego zu zügeln und Energie aus der Umgebung aufzunehmen. Das Ziehen am Ohrläppchen wurde historisch als eine Form der Bestrafung eingesetzt, mit der einem Schüler geholfen werden sollte, sein Ego zu bezähmen.
Klinische Kontraindikationen
Bei akuten Ohrerkrankungen oder Infektionen wird von Zähneputzen und Baden abgeraten. Gelangt ein Insekt ins Ohr, soll dieses traditionell durch Füllen des Ohrs mit warmem Salzwasser oder saurem Brei behandelt werden, bis das Insekt abgestorben ist.
Siehe auch die Einträge Vata, Marma, Dinacarya und Shalakya Tantra.
ayur yoga massage · Thai-Massage · Shiatsu · Ausbilderin
Anne Wuchold
Anne ist seit 15 Jahren Yoga- Thaimassage und Shiatsu- Therapeutin.
Sie lebte 10 Jahren in Indien, die letzten 5 Jahre in Ägypten, arbeitet weltweit als Körpertherapeutin an Land und im Wasser - Yogalehrerin und Freedive-Instructor, leitet Ausbildungen in Deutschland, begleitet Spirituelle Yoga Reisen durch Indien und Blauer Lotus und heilige Tempel Reise in Ägypten und managed ihr Retreat-Center auf Sardinien.
Als gelernte Schauspielerin vereint sie Heilung, Humor und Leichtigkeit sowie präzise Technik in ihren Ausbildungen. Seit über 10 Jahren ist sie in der Pflanzenmedizin aus verschiedenen Traditionen geschult und hat 2007 Yogatherapie in Kerala studiert.
In Chiang Mai, Thailand, lernte sie von Thaimassage-Meistern mit denen sie heute zusammenarbeitet und deren Wissen weltweit weitergeben darf.


