
Kashaya
Kashaya (kaṣāya; auch Kashaya Rasa, Kashaya Kalpana) ist ein zentraler Begriff der ayurvedischen Terminologie mit zwei eng verwandten, aber klar zu unterscheidenden Bedeutungen: Er bezeichnet zum einen den adstringierenden Geschmack (Kashaya Rasa) als eine der sechs Grundgeschmacksrichtungen (Shadrasa), zum anderen eine spezifische pharmazeutische Zubereitungsform, den Kräuterdekokt (Kashaya Kalpana). Der Begriff gehört der Tradition des klassischen Ayurveda an.
Als Geschmacksqualität (Kashaya Rasa)
Kashaya gehört zu den sechs essentiellen Geschmacksrichtungen (Shadrasa) des klassischen Ayurveda und zeichnet sich durch eine schwere und kühlende Natur aus. In der Elementenlehre wird Kashaya vorwiegend den Elementen Luft (Vayu) und Erde (Prithvi) zugeordnet. Sensorisch äußert sich der Kontakt mit der Zunge durch ein Gefühl der Nicht-Schlüpfrigkeit, der Steifheit und der Kälte; traditionell wird beschrieben, dass dieser Geschmack den Rachen zusammenzieht und die Wahrnehmungsfähigkeit für andere Geschmacksrichtungen mindert.
In Bezug auf die Doshas wirkt Kashaya befriedend auf Pitta und Kapha: Es gilt als wirksam zur Reduktion von innerer Hitze und zur Trocknung überschüssiger Schleim- oder Feuchtigkeitsansammlungen. Auf Vata wirkt es dagegen aggravierend, da seine trockene, kalte und raue Qualität bei übermäßiger Einnahme zu Vata-bedingten Störungen führen kann.
Therapeutisch wird Kashaya zur Blutreinigung, zur Förderung der Heilung von Ulzera und Wunden sowie zur Trocknung überschüssiger Körperflüssigkeiten, von Fettgewebe, Knochenmark und Lymphe eingesetzt. Es wird als Bindungsförderer, der das Zusammenwachsen von Gewebe unterstützt, und als Absorptionsmittel beschrieben. Bei übermäßigem Konsum können traditionell Verstopfung, Mundtrockenheit, Herzschmerzen, Blähungen und eine Schwärzung des Teints auftreten; in schweren Fällen werden ernste Vataja-Erkrankungen wie Hemiplegie, Krämpfe oder Gesichtslähmung genannt.
Als pharmazeutische Zubereitung (Kashaya Kalpana)
Im pharmazeutischen Kontext bezeichnet Kashaya einen konzentrierten flüssigen Extrakt, der durch Auskochen von Kräutern hergestellt wird. Das allgemeine Verfahren sieht vor, die pflanzlichen Ausgangsstoffe grob zu pulverisieren und mit der sechzehnfachen Menge Wasser zu versetzen; das Gemisch wird bei milder Hitze gekocht, bis die Flüssigkeit auf einen bestimmten Bruchteil des Ausgangsvolumens reduziert ist, üblicherweise auf ein Achtel oder ein Viertel.
Zu den gebräuchlichen Formulierungen zählen Amradi Kashaya, hergestellt aus Mango- und Jambu-Samen und eingesetzt bei Durst und Erbrechen, Drakshadi Kashaya, eine komplexe Mischung unter anderem aus Weintrauben und Amaltas, die bei Pitta-dominanten Fiebern und abdominaler Distension verwendet wird, Pachana Kashaya, das Musta und Sandelholz enthält und gegen sogenannte kalte Fieber eingesetzt wird, sowie Lajadi Kashaya, das spezifisch zur Linderung von Brennempfindungen (Daha) dient.
Klinische Bedeutung
Über seine Rolle als Geschmacksqualität und Arzneiform hinaus ist Kashaya eine Eigenschaft, die im Rahmen klinischer Untersuchungen geprüft wird. So kann bei der Mamsa Pariksha, der Untersuchung des Muskelgewebes, auf Anzeichen von Suskataa, also Auszehrung, in bestimmten Körperregionen wie Nacken oder Bauch geachtet werden; traditionell wird angenommen, dass diese mit den adstringierenden, austrocknenden Eigenschaften von Ernährung oder Konstitution des Patienten in Verbindung stehen. Darüber hinaus werden Kashaya-dominante Substanzen häufig als Anupana, also als Begleitgetränk nach der Einnahme, verwendet, um spezifische Ungleichgewichte auszugleichen, etwa raue, heiße Getränke zum Ausgleich von Kapha.
Abgrenzung
Die beiden Bedeutungen von Kashaya sind zu unterscheiden: Während Kashaya Rasa eine sensorisch wahrnehmbare Geschmacksqualität innerhalb der Shadrasa-Lehre bezeichnet, beschreibt Kashaya Kalpana eine konkrete pharmazeutische Zubereitungsform. Beide Bedeutungen sind insofern verbunden, als viele Kashaya-Zubereitungen aufgrund der adstringierenden Eigenschaften ihrer Bestandteile entsprechend benannt sind.
Siehe auch die Einträge Shadrasa, Vata, Pitta, Kapha und Anupana.
ayur yoga massage · Thai-Massage · Shiatsu · Ausbilderin
Anne Wuchold
Anne ist seit 15 Jahren Yoga- Thaimassage und Shiatsu- Therapeutin.
Sie lebte 10 Jahren in Indien, die letzten 5 Jahre in Ägypten, arbeitet weltweit als Körpertherapeutin an Land und im Wasser - Yogalehrerin und Freedive-Instructor, leitet Ausbildungen in Deutschland, begleitet Spirituelle Yoga Reisen durch Indien und Blauer Lotus und heilige Tempel Reise in Ägypten und managed ihr Retreat-Center auf Sardinien.
Als gelernte Schauspielerin vereint sie Heilung, Humor und Leichtigkeit sowie präzise Technik in ihren Ausbildungen. Seit über 10 Jahren ist sie in der Pflanzenmedizin aus verschiedenen Traditionen geschult und hat 2007 Yogatherapie in Kerala studiert.
In Chiang Mai, Thailand, lernte sie von Thaimassage-Meistern mit denen sie heute zusammenarbeitet und deren Wissen weltweit weitergeben darf.


