
Nadi
Nāḍī (nāḍī; auch Nadi, Pl. Nāḍīs)
Nāḍī bezeichnet im klassischen Ayurveda und in der yogischen Philosophie sowohl die subtilen Energiekanäle des Körpers als auch physische Rohrstrukturen wie den Puls, Nerven, Venen und Arterien. Der Sanskrit-Begriff leitet sich von der Wurzel nad ab, die Strömung, Fluss oder röhrenförmige Bewegung bedeutet, und verweist damit auf die doppelte Natur des Konzepts: eine subtil-energetische und eine anatomisch-klinische Dimension, die in der klassischen Überlieferung eng miteinander verwoben sind.
Als subtiles Energienetzwerk wird dem menschlichen Körper eine Gesamtheit von zweiundsiebzigtausend Nāḍīs zugeschrieben, durch die Prāṇa sowie psychische Energie absorbiert, verteilt und wieder abgegeben werden. Dieses Netzwerk ist eng mit den Chakras, den subtilen Bewusstseinszentren, verbunden. Der Nabel gilt in dieser Konzeption als zentraler Knotenpunkt, von dem aus die feinen Kanäle den gesamten Körper durchziehen. Unter allen Nāḍīs nimmt die Suṣumnā die herausragendste Stellung ein: Sie entspringt im ersten Chakra an der Basis der Wirbelsäule, verläuft durch den Wirbelkanal (Meru Daṇḍa) und endet im Gehirn. Traditionell wird angenommen, dass ein optimaler Prāṇafluss von der gesunden Ausrichtung und Funktion der Wirbelsäule abhängt, durch die die Suṣumnā verläuft. Im Kontext der Ayur-Yoga Massage ist dieser Zusammenhang von besonderer Bedeutung: In der Methode Kusum Modak gilt die Arbeit an der Wirbelsäulenausrichtung durch passive Yoga-Dehnungen als unmittelbar relevant für die Durchgängigkeit der Suṣumnā und damit für den freien Prāṇafluss im gesamten Nāḍī-System.
In ihrer physischen Bedeutung bezeichnet Nāḍī den Puls, der als unverzichtbares diagnostisches Instrument im Rahmen der achtgliedrigen klinischen Untersuchung, der Aṣṭavidhā Rogī Parīkṣā, gilt. Bei der Nāḍī Parīkṣā, der Pulsdiagnose, wird der Radialispuls an der Handgelenksinnenseite abgetastet, wobei Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger jeweils einem Dosha zugeordnet werden: Vata dem Zeigefinger, Pitta dem Mittelfinger und Kapha dem Ringfinger. Durch die Qualität des unter den einzelnen Fingern fühlbaren Pulses schließt der Praktiker auf das dominante Dosha und leitet daraus therapeutische Entscheidungen ab, etwa die Wahl geeigneter Medizinalöle oder die Überwachung physiologischer Veränderungen im Therapieverlauf.
Therapeutisch tritt Nāḍī in mehreren klinischen Anwendungskontexten auf. Die Nāḍī Sveda bezeichnet eine der dreizehn klassischen Fomentationstherapien (Sveda), bei der Wärme mittels einer Rohrleitung appliziert wird: Medizinischer Dampf wird durch einen gewundenen, einem Elefantenrüssel ähnlichen Kanal auf den Körper des Patienten gelenkt, was eine gleichmäßige und hautschonende Wärmebehandlung ermöglicht. Als Nāḍīyantra werden in der ayurvedischen Chirurgie hohle, röhrenförmige Sonden mit einer oder mehreren Öffnungen bezeichnet, die zur Untersuchung von Körperkanälen, zur Erkennung von Fremdkörpern sowie zur Durchführung von Behandlungen wie der Absaugung von Flüssigkeiten oder der Inspektion innerer Organe eingesetzt werden. Schließlich bezeichnet Nāḍī Vraṇa Wunden mit Fistelbildung oder tiefen, röhrenförmigen Gewebedefekten, die einer spezialisierten chirurgischen Behandlung bedürfen.
Nāḍī gehört mehreren Traditionen an: Das subtile Energiekonzept ist sowohl in der klassischen ayurvedischen Physiologie als auch in der yogischen Philosophie verankert und findet sich in der Caraka Saṃhitā, in Hatha-Yoga-Texten wie der Haṭhapradīpikā sowie in tantrischen Überlieferungen. Die klinischen Dimensionen der Pulsdiagnose und der chirurgischen Instrumente sind vorrangig in der Suśruta Saṃhitā und dem Aṣṭāṅga Hṛdayam dokumentiert.
Vgl. die Einträge Prāṇa, Srotas, Chakra, Suṣumnā, Marma, Sveda sowie Nāḍī Parīkṣā.
ayur yoga massage · Thai-Massage · Shiatsu · Ausbilderin
Anne Wuchold
Anne ist seit 15 Jahren Yoga- Thaimassage und Shiatsu- Therapeutin.
Sie lebte 10 Jahren in Indien, die letzten 5 Jahre in Ägypten, arbeitet weltweit als Körpertherapeutin an Land und im Wasser - Yogalehrerin und Freedive-Instructor, leitet Ausbildungen in Deutschland, begleitet Spirituelle Yoga Reisen durch Indien und Blauer Lotus und heilige Tempel Reise in Ägypten und managed ihr Retreat-Center auf Sardinien.
Als gelernte Schauspielerin vereint sie Heilung, Humor und Leichtigkeit sowie präzise Technik in ihren Ausbildungen. Seit über 10 Jahren ist sie in der Pflanzenmedizin aus verschiedenen Traditionen geschult und hat 2007 Yogatherapie in Kerala studiert.
In Chiang Mai, Thailand, lernte sie von Thaimassage-Meistern mit denen sie heute zusammenarbeitet und deren Wissen weltweit weitergeben darf.


