
Netra Tarpana
Netra Tarpana (netra tarpaṇa; auch Akshi Tarpana, Akṣi Tarpaṇa)
Netra Tarpana bezeichnet ein spezialisiertes ayurvedisches Verfahren zur Pflege und Behandlung der Augen, bei dem mediziniertes Ghee oder eine andere fettige Substanz in einem Reservoir über den geschlossenen Augen gehalten wird. Der Begriff setzt sich aus netra (Auge) und tarpaṇa (Nährung, Sättigung, Erquickung) zusammen; die Alternativbezeichnung akṣi tarpaṇa verwendet das Sanskrit-Wort akṣi als Synonym für das Auge. Das Verfahren gilt als eine der zentralen Maßnahmen zur Stärkung der Sehkraft und zur Behandlung von Augenerkrankungen, die auf Störungen von vāta und pitta zurückgeführt werden.
Vor der Durchführung sieht das klassische Protokoll eine Vorbereitung durch nasya (nasale Ölapplikation) sowie eine allgemeine Körperreinigung durch vamana oder virechana vor. Das Verfahren wird vorzugsweise morgens oder abends in einem windstillen Raum durchgeführt, während der Patient in Rückenlage liegt.
Die Durchführung gliedert sich in mehrere Schritte. Zunächst wird um die Augenhöhlen ein etwa zwei Finger hoher Wall aus einem Teig aus Gersten- (yava) und schwarzem Linsenmehl (māṣa) geformt, der das Reservoir bildet. Verflüssigtes mediziniertes Ghee wird sodann vorsichtig eingefüllt, bis es die Wimpernspitzen bedeckt; bei spezifischen Indikationen wie Nachtblindheit (naktāndha) kann anstelle von Ghee Muskelfett (vasā) verwendet werden. Der Patient wird gebeten, die Augen unter dem Ghee langsam zu öffnen und zu schließen. Die Retentionszeit wird in mātra kāla gemessen, der Zeit für einen Lidschlag oder das Aussprechen einer Silbe, und richtet sich nach der vorliegenden Störung: Bei gesunden Personen und kapha-Störungen werden 500 mātra kāla angegeben, bei pitta-Störungen 600, bei vāta-Störungen und Glaukom (adhimantha) 1000. Für spezifische anatomische Bereiche differenzieren die Quellen weiter: Lider 100, Sklera 500, Hornhaut 700 mātra kāla. Nach Ablauf der Retentionszeit wird das Ghee durch eine kleine Öffnung am äußeren Augenwinkel abgelassen.
Das therapeutische Indikationsspektrum umfasst Ermüdung, Trockenheit und Rauheit der Augen sowie den Verlust von Augenwimpern. Zu den spezifischen klinischen Indikationen zählen Glaukom (adhimantha), Bindehautentzündung (abhiṣyanda), Nachtblindheit (naktāndha), Augenbrennen, Juckreiz, Rötungen, Schmerzen und getrübte Sehkraft.
Die Nachbehandlung sieht eine medizinische Räucherung (dhūmapāna) vor; der Patient soll unmittelbar nach der Behandlung den Blick in den hellen Himmel oder auf stark glänzende Objekte vermeiden. Die Anwendungsfrequenz richtet sich nach der doṣa-Konstellation: Bei vāta-Störungen wird die Behandlung täglich durchgeführt, bei pitta-Störungen jeden zweiten Tag, bei gesunden Personen alle zwei Tage. Häufig folgt auf Netra Tarpana das Verfahren pūtapāka, um die Augen nach der intensiven Oleation zu kräftigen und zu stabilisieren.
Als Zeichen einer erfolgreichen Behandlung gelten verbesserte Lichttoleranz, Klarheit der Sicht und ein Gefühl der Leichtigkeit im Auge. Personen, die nicht für eine nasya-Behandlung geeignet sind, sollten auch kein Netra Tarpana erhalten.
Gehört zur Tradition des klassischen Ayurveda, mit besonderer Ausarbeitung in der Suśruta Saṃhitā und dem Aṣṭāṅga Hṛdayam.
Siehe auch die Einträge Nasya, Ghrita, Pitta, Vata sowie Putapaka.
ayur yoga massage · Thai-Massage · Shiatsu · Ausbilderin
Anne Wuchold
Anne ist seit 15 Jahren Yoga- Thaimassage und Shiatsu- Therapeutin.
Sie lebte 10 Jahren in Indien, die letzten 5 Jahre in Ägypten, arbeitet weltweit als Körpertherapeutin an Land und im Wasser - Yogalehrerin und Freedive-Instructor, leitet Ausbildungen in Deutschland, begleitet Spirituelle Yoga Reisen durch Indien und Blauer Lotus und heilige Tempel Reise in Ägypten und managed ihr Retreat-Center auf Sardinien.
Als gelernte Schauspielerin vereint sie Heilung, Humor und Leichtigkeit sowie präzise Technik in ihren Ausbildungen. Seit über 10 Jahren ist sie in der Pflanzenmedizin aus verschiedenen Traditionen geschult und hat 2007 Yogatherapie in Kerala studiert.
In Chiang Mai, Thailand, lernte sie von Thaimassage-Meistern mit denen sie heute zusammenarbeitet und deren Wissen weltweit weitergeben darf.


