
Ojas
Ojas (ojas; auch Ojus, Ojo)
Ojas bezeichnet im Āyurveda die reine Essenz aller sieben Körpergewebe (Dhātu) und gilt als die übergeordnete Quelle von Kraft, Vitalität und Immunität im menschlichen Organismus. Der Begriff wird etymologisch mit „Kraft", „Glanz" und „Lebensessenz" übersetzt. Die klassische Überlieferung betont die existentielle Bedeutung des Ojas mit Nachdruck: Ohne Ojas ist Leben nicht möglich; sein vollständiger Verlust führt unmittelbar zum Tod.
Ojas wird als viskose, fettige und „somatmakam" (wässrig-lunare) Substanz beschrieben. Seine physikalischen Eigenschaften umfassen eine klare, rötlich-gelbe oder goldene Färbung, die mitunter auch mit der Farbe von Ghrita verglichen wird, einen honigartig süßen Geschmack sowie einen Geruch, der an geröstetes Getreide erinnert. Die Substanz gilt als weich, klar und saturierend und sorgt für den inneren Zusammenhalt des lebenden Organismus.
Ojas ist primär im Herzen (Hṛdaya) lokalisiert, wird jedoch über den gesamten Körper verteilt, um Gesundheit zu regulieren und die Lebenskraft zu binden. Die klassische Lehre unterscheidet zwei Typen. Para Ojas existiert in einer äußerst geringen Menge von acht Tropfen; seine Zerstörung führt unmittelbar zum Tod. Apara Ojas ist in einer Menge von Ardhāñjali (etwa einer Handvoll) vorhanden und zirkuliert im gesamten Organismus.
Die Funktionen des Ojas sind vielfältig und umfassen alle Ebenen des Organismus. Als Immunität (Bala) bildet es die natürliche Widerstandskraft des Körpers gegen Krankheit und Disharmonie. Es stellt die initiale Essenz des Embryos sowie die Essenz des embryonalen Nährmaterials dar. Auf mentaler und sensorischer Ebene unterstützt es geistige Funktionen, erhält die Klarheit der Sinnesorgane und fördert Heiterkeit und innere Zufriedenheit. Auf physischer Ebene gewährleistet es die Kompaktheit, Stabilität und Stärke des Körpers.
Ungleichgewichte des Ojas werden in der klassischen Überlieferung präzise beschrieben. Eine Depletion (Ojokṣaya) kann durch Zorn, Hunger und Auszehrung, übermäßige Sorge, Trauer, körperliche Überanstrengung, Angst sowie Verlust vitaler Körperflüssigkeiten — Blut, Schleim oder Samen — verursacht werden. Symptomatisch äußert sich Ojokṣaya in Unruhe, Schwäche und Kraftlosigkeit, Unbehagen der Sinnesorgane, fahlem Teint sowie anhaltender Erschöpfung oder Trockenheit; in schweren Fällen können Ohnmacht, unzusammenhängendes Sprechen (Pralāpa) und Bewusstlosigkeit (Moha) auftreten. Ein erhöhtes Ojas (Ojovriddhi) hingegen äußert sich in Zufriedenheit, gesteigerter körperlicher Kraft und ausgezeichneter Gewebsernährung. Neben Depletion und Erhöhung unterscheidet die klassische Lehre zwei weitere Störungsformen: Ojoviraṃsa, die Verschiebung oder Dislokation des Ojas, die sich in Gelenkinstabilität, Erschöpfung und Verschiebung der Gliedmaßen äußert, sowie Ojavyāpat, die Störung des Ojas, die zu Steifigkeit (Stabdhatā), Körperschwere, Schläfrigkeit (Tandrā) und übermäßigem Schlaf führt.
Zum Schutz und zur Steigerung des Ojas empfiehlt der Āyurveda spezifische diätetische und lebensstilbezogene Maßnahmen. Der süße Geschmack (Madhura) gilt als der primäre Ojas-fördernde Geschmack; Kuhmilch und Ghrita werden als die wirkungsvollsten Substanzen zur Ojas-Mehrung betrachtet, da ihre Eigenschaften denen des Ojas besonders ähnlich sind. Fleischbrühe sowie Kräuter der Jīvanīya-Gruppe (belebende Heilpflanzen) werden als besonders wirksam bei der Behandlung von Ojokṣaya hervorgehoben. Auf der Ebene der Lebensführung werden regelmäßiges Baden, das Tragen von Edelsteinen oder Schmuck sowie eine tugendhaft ausgerichtete Lebensweise (Ācārarasāyana) als ojas-stabilisierend beschrieben. Als ebenso wesentlich gilt die psychische Hygiene: die Vermeidung mentaler Affliktionen sowie die Kultivierung von Gelassenheit und Wissen schützen das Herz und die großen Gefäße als primäre Sitze des Ojas.
Gehört zur Tradition des klassischen Āyurveda.
Weiterführend sind die Einträge Agni, Ama, Dhatu, Tridosha, Prana und Panchakarma.
ayur yoga massage · Thai-Massage · Shiatsu · Ausbilderin
Anne Wuchold
Anne ist seit 15 Jahren Yoga- Thaimassage und Shiatsu- Therapeutin.
Sie lebte 10 Jahren in Indien, die letzten 5 Jahre in Ägypten, arbeitet weltweit als Körpertherapeutin an Land und im Wasser - Yogalehrerin und Freedive-Instructor, leitet Ausbildungen in Deutschland, begleitet Spirituelle Yoga Reisen durch Indien und Blauer Lotus und heilige Tempel Reise in Ägypten und managed ihr Retreat-Center auf Sardinien.
Als gelernte Schauspielerin vereint sie Heilung, Humor und Leichtigkeit sowie präzise Technik in ihren Ausbildungen. Seit über 10 Jahren ist sie in der Pflanzenmedizin aus verschiedenen Traditionen geschult und hat 2007 Yogatherapie in Kerala studiert.
In Chiang Mai, Thailand, lernte sie von Thaimassage-Meistern mit denen sie heute zusammenarbeitet und deren Wissen weltweit weitergeben darf.


