
Rakta
Rakta (raktá; auch Asruk, Asṛk)
Rakta bezeichnet das Blut und gilt als das zweite der sieben fundamentalen Körpergewebe, die in der klassischen ayurvedischen Physiologie als Sapta Dhātu bekannt sind. Der Begriff entstammt dem Sanskrit und leitet sich von der Wurzel rañj ab, die „färben" oder „röten" bedeutet und unmittelbar auf die charakteristische Farbe des Gewebes verweist. Als lebenserhaltendes Dhātu nimmt Rakta eine herausgehobene Stellung innerhalb des Körpersystems ein: Traditionell wird angenommen, dass die vitale Lebensenergie, Prāṇa, dem Blut folgt und durch es getragen wird, sodass Rakta als ein primäres Medium der Lebenskraft gilt.
Die Entstehung von Rakta erfolgt nach dem klassischen Dhātu-Transformationsmodell aus dem klaren Nähressenz des vorangehenden Gewebes, des Rasa Dhātu. Vermittelt wird diese Transformation durch Rañjaka Pitta, eine der fünf Unterformen des Pitta-Dosha, die traditionell im Magen und in der Leber lokalisiert wird und der Nährflüssigkeit ihre rote Farbe verleiht. Elementar betrachtet wird Rakta vorrangig dem Wasserelement (Ap) zugeordnet, steht jedoch gleichzeitig unter starkem Einfluss des Feuerelements (Agni beziehungsweise Tejas), dem seine Wärme und seine charakteristische Farbe zugeschrieben werden. Aus Rakta hervor geht das nachfolgende Gewebe, Māṃsa Dhātu, das Muskelgewebe, das durch die Nähressenz des Blutes aufgebaut und ernährt wird.
Die primäre physiologische Funktion von Rakta wird in der klassischen Überlieferung als Jīvanam beschrieben, was mit Lebenserhaltung, Vitalität und Langlebigkeit zu übersetzen ist. Darüber hinaus wird dem Blut die Aufgabe zugeschrieben, den gesamten Körper mit Kraft und Nährstoffen zu versorgen, eine gesunde Hauttönung und ein frisches Erscheinungsbild zu gewährleisten sowie als Grundlage der Gewebsernährung für die nachfolgenden Dhātu zu dienen.
Die Qualität des Rakta wird in der Fachliteratur anhand zweier Zustände differenziert. Reines Blut, als Śuddha Rakta bezeichnet, wird mit der Farbe von Gold, einer roten Lotusblüte oder Lackfarbstoff verglichen und soll einen leicht süßlichen und salzigen Geschmack aufweisen, weder zu heiß noch zu kalt sein. Einer Person mit reinem Rakta werden klare Sinnesorgane, ein gesunder Appetit und ungehinderte natürliche Körperfunktionen zugeschrieben. Eine besondere Ausprägungsform stellt Raktasāra dar, die Exzellenz der Blutqualität: Personen mit dieser Konstitution sollen durch ölige, leuchtend rote und glänzende Qualitäten in Ohren, Augen, Gesicht, Zunge, Lippen und Fingernägeln gekennzeichnet sein und zeichnen sich traditionellen Quellen zufolge durch Freudigkeit, scharfen Intellekt und mäßige körperliche Stärke aus.
Ungleichgewichte des Rakta entstehen nach klassischer Auffassung vorrangig durch eine Vitiation durch Pitta und Kapha. Eine übermäßige Zunahme (Vṛddhi) des Rakta soll zu Hauterkrankungen wie Bläschen, Juckreiz und schweren dermatologischen Zuständen führen sowie mit Milzvergrößerung, Abszessen und Blutungsneigungen, bekannt als Raktapitta, verbunden sein. Eine Rötung von Haut, Augen und Urin wird ebenfalls als Zeichen des Überschusses beschrieben. Eine Abnahme (Kṣaya) des Rakta äußert sich traditionellen Quellen zufolge in rauen, rissigen und glanzlosen Hautveränderungen, einem Verlust der Gewebsspannung in den Venen sowie einem verstärkten Verlangen nach sauren und kühlen Substanzen.
Wenn vitiertes Rakta auf standardmäßige kühlende oder ölende Behandlungen nicht anspricht, empfiehlt das klassische Ayurveda spezialisierte Reinigungsverfahren. Besondere Bedeutung kommt dabei Raktamokṣaṇa zu, dem Aderlass beziehungsweise der Blutentleerung. Die Schule des Suśruta betrachtet diese Methode als eine eigenständige fünfte Reinigungstherapie, die neben den klassischen Panchakarma-Verfahren steht. Die Wahl des eingesetzten Instruments richtet sich nach dem beteiligten Dosha: Bei Vata-vitiertem Blut wird traditionell das Horn (Śṛṅgam) verwendet, bei Kapha-vitiertem Blut der Flaschenkürbis (Alābu) und bei Pitta-vitiertem Blut der Einsatz von Blutegeln (Jalāuka) empfohlen. Ergänzend werden Abführbehandlungen, Fasten und blutreinigenden Kräutern wie Sārivā, Pāṭhā und Kuṭkī eingesetzt. Nach einer Raktamokṣaṇa-Behandlung wird den Patienten leichte und bekömmliche Nahrung empfohlen, um das durch den Blutverlust geschwächte Verdauungsfeuer, Agni, zu schützen und zu stabilisieren.
Rakta gehört zur Tradition des klassischen Ayurveda und ist in den Grundlagentexten Caraka Saṃhitā und Suśruta Saṃhitā ausführlich beschrieben, wobei die beiden Werke in einzelnen Punkten, insbesondere hinsichtlich der Gewichtung des Raktamokṣaṇa, unterschiedliche Akzente setzen.
Vgl. die Einträge Rasa Dhātu, Māṃsa Dhātu, Sapta Dhātu, Pitta, Rañjaka Pitta, Raktamokṣaṇa und Panchakarma.
ayur yoga massage · Thai-Massage · Shiatsu · Ausbilderin
Anne Wuchold
Anne ist seit 15 Jahren Yoga- Thaimassage und Shiatsu- Therapeutin.
Sie lebte 10 Jahren in Indien, die letzten 5 Jahre in Ägypten, arbeitet weltweit als Körpertherapeutin an Land und im Wasser - Yogalehrerin und Freedive-Instructor, leitet Ausbildungen in Deutschland, begleitet Spirituelle Yoga Reisen durch Indien und Blauer Lotus und heilige Tempel Reise in Ägypten und managed ihr Retreat-Center auf Sardinien.
Als gelernte Schauspielerin vereint sie Heilung, Humor und Leichtigkeit sowie präzise Technik in ihren Ausbildungen. Seit über 10 Jahren ist sie in der Pflanzenmedizin aus verschiedenen Traditionen geschult und hat 2007 Yogatherapie in Kerala studiert.
In Chiang Mai, Thailand, lernte sie von Thaimassage-Meistern mit denen sie heute zusammenarbeitet und deren Wissen weltweit weitergeben darf.


