
Ritucharya
Ṛtucaryā (ṛtucaryā; auch Ritucharya, Ṛtu-Caryā)
Ṛtucaryā bezeichnet das ayurvedische System der saisonalen Lebensführung und umfasst spezifische Ernährungs- und Verhaltensregeln, die dem Wechsel der Jahreszeiten entsprechend angepasst werden, um Gesundheit zu erhalten und jahreszeitlich bedingte Erkrankungen zu verhüten. Der Begriff setzt sich aus ṛtu (Jahreszeit, Saison) und caryā (Verhalten, Praxis, Wandel) zusammen und verweist auf die Grundüberzeugung des klassischen Ayurveda, dass der menschliche Organismus in einem dynamischen Wechselverhältnis mit den klimatischen Qualitäten seiner Umgebung steht und seine Lebensweise diesen Qualitäten fortlaufend anpassen muss.
Das Ayurveda teilt das Jahr in sechs Jahreszeiten (Ṛtu) zu je zwei Monaten ein, die sich nach dem indischen Kalender richten. Diese sechs Jahreszeiten werden übergeordnet zwei solstizären Perioden zugeordnet. Die erste, Ādāna Kāla oder nördliche Sonnenwende, umfasst Śiśira, Vasanta und Grīṣma (Mitte Januar bis Mitte Juli); in dieser Zeit gelten Sonne und Wind als besonders kraftvoll und trocken, da sie dem Erdboden und den Lebewesen Energie entziehen, was eine vergleichsweise geringe Körperkraft beim Menschen zur Folge hat. Die zweite Periode, Visarga Kāla oder südliche Sonnenwende, umfasst Varṣā, Śarad und Hemanta (Mitte Juli bis Mitte Januar); der Mond gewinnt an Einfluss, Wolken und Regen kühlen die Erde, und die Sonne gibt die zuvor entzogene Kraft an die Lebewesen zurück, sodass die körperliche Energie ansteigt.
Die körperliche Stärke des Menschen variiert nach klassischer Auffassung im Jahresverlauf erheblich: Sie ist in den Wintermonaten Hemanta und Śiśira am höchsten, in Sommer (Grīṣma) und Regenzeit (Varṣā) am niedrigsten und in Frühling (Vasanta) und Herbst (Śarad) auf mittlerem Niveau.
Für jede der sechs Jahreszeiten beschreibt die klassische Überlieferung spezifische Ernährungs- und Verhaltensempfehlungen. Im Hemanta, dem frühen Winter von Mitte November bis Mitte Januar, ist das Verdauungsfeuer (Agni) stark, was den Verzehr schwerer, nährender Speisen mit süßem, saurem und salzigem Geschmack, Milchprodukte, Öle, warmes Wasser und regelmäßige Ölmassage begünstigt. Der Śiśira, der späte Winter von Mitte Januar bis Mitte März, ist durch ausgeprägte Kälte und Trockenheit gekennzeichnet und erfordert eine ähnliche Lebensführung wie der Hemanta; Vata-fördernde, leichte und kalte Nahrungsmittel sind zu meiden. Im Vasanta, dem Frühling von Mitte März bis Mitte Mai, wird durch die Sonnenwärme das im Winter angesammelte Kapha verflüssigt und aggraviert; kräftige Reinigungstherapien, insbesondere Brechmittelbehandlung (Vamana), werden empfohlen, ebenso leichte, trockene Kost wie Gerste und Honig, während Süßigkeiten, Fette und Tagschlaf zu vermeiden sind. Der Grīṣma, der Sommer von Mitte Mai bis Mitte Juli, ist durch erhöhtes Vata und geschwächtes Kapha gekennzeichnet; empfohlen werden süße, leichte, kühle und flüssige Nahrungsmittel sowie Kaltgetränke mit Maismehl und Zucker, während Salz, scharfe Geschmacksrichtungen und starke körperliche Anstrengung zu meiden sind. In der Varṣā, der Regenzeit von Mitte Juli bis Mitte September, ist das Verdauungsfeuer geschwächt und Vata erhöht; abgekochtes Wasser, altes Getreide und gewürzte Fleischsuppen werden empfohlen, während Flusswasser, körperliche Überanstrengung und Tagschlaf zu vermeiden sind; als Haupttherapie dieser Jahreszeit gilt die Einlaufbehandlung (Basti). Im Śarad, dem Herbst von Mitte September bis Mitte November, ist Pitta aggraviert; als geeignete Reinigungsmaßnahmen werden Abführtherapie (Virecana) und Blutentleerung (Raktamokṣaṇa) beschrieben; bitteres Ghee sowie süße, leichte und bittere Speisen gelten als zuträglich, und der Aufenthalt im Mondlicht wird empfohlen.
Von besonderer klinischer Bedeutung ist die Ṛtu Sandhi, die vierzehntägige Übergangszeit zwischen zwei Jahreszeiten, die aus den letzten sieben Tagen der endenden und den ersten sieben Tagen der beginnenden Jahreszeit besteht. In dieser Phase soll die Lebensweise der vergangenen Jahreszeit schrittweise aufgegeben und jene der kommenden langsam eingeführt werden. Abrupte Veränderungen gelten als Ursache von Erkrankungen durch Asātmya, die mangelnde Angewöhnung an neue Reize und Qualitäten.
Das Grundprinzip der Ṛtucaryā besteht darin, durch gezielte Ernährung und Verhaltensweise die jeweiligen dominanten Qualitäten einer Jahreszeit auszugleichen, indem entgegengesetzte Qualitäten eingesetzt werden: So werden im heißen, trockenen Sommer kühlende und befeuchtende Substanzen mit süßem Geschmack bevorzugt, während im feuchten Frühling trockene und leichte Kost angezeigt ist. Wer die Natur der Doshas im Jahreszeitenverlauf kennt und die vorgeschriebenen Ernährungs- (Āhāra) und Verhaltensregeln (Vihāra) befolgt, kann nach klassischer Auffassung jahreszeitliche Erkrankungen vermeiden und ein dauerhaft gesundes Leben führen.
Ṛtucaryā gehört zur Tradition des klassischen Ayurveda und ist in der Caraka Saṃhitā und dem Aṣṭāṅga Hṛdayam als grundlegendes präventivmedizinisches Konzept beschrieben.
Zu verwandten Begriffen siehe Dinācaryā, Dosha, Agni, Āma, Panchakarma, Vamana, Virecana, Basti, Raktamokṣaṇa sowie Vata, Pitta und Kapha.
ayur yoga massage · Thai-Massage · Shiatsu · Ausbilderin
Anne Wuchold
Anne ist seit 15 Jahren Yoga- Thaimassage und Shiatsu- Therapeutin.
Sie lebte 10 Jahren in Indien, die letzten 5 Jahre in Ägypten, arbeitet weltweit als Körpertherapeutin an Land und im Wasser - Yogalehrerin und Freedive-Instructor, leitet Ausbildungen in Deutschland, begleitet Spirituelle Yoga Reisen durch Indien und Blauer Lotus und heilige Tempel Reise in Ägypten und managed ihr Retreat-Center auf Sardinien.
Als gelernte Schauspielerin vereint sie Heilung, Humor und Leichtigkeit sowie präzise Technik in ihren Ausbildungen. Seit über 10 Jahren ist sie in der Pflanzenmedizin aus verschiedenen Traditionen geschult und hat 2007 Yogatherapie in Kerala studiert.
In Chiang Mai, Thailand, lernte sie von Thaimassage-Meistern mit denen sie heute zusammenarbeitet und deren Wissen weltweit weitergeben darf.


