
Shiroabhyanga
Shiroabhyanga (śiro-abhyaṅga; auch Kopfabhyanga, Kopf-Nacken-Schulter-Massage)
Shiroabhyanga bezeichnet eine auf Ölanwendung basierende Massage des Kopfes, des Nackens und der Schultern und bildet einen eigenständigen Bereich innerhalb des klassischen ayurvedischen Massagesystems. Wenngleich Shiroabhyanga häufig als Abschlusssequenz einer vollständigen Körperölmassage (abhyaṅga) durchgeführt wird, misst die ayurvedische Tradition der Kopfbehandlung eine besondere und eigenständige therapeutische Bedeutung zu. Die klassischen Texte empfehlen die regelmäßige Ölpflege des Kopfes als tägliche Praxis zur Aufrechterhaltung von Lebenskraft und Sinnesschärfe sowie zur Vorbeugung von Störungen der Wahrnehmungsorgane.
Etymologisch setzt sich der Begriff aus śiras (Kopf) und abhyaṅga (Ölmassage, Einreibung) zusammen. Der Kopf gilt im Ayurveda als oberstes Steuerungszentrum des Organismus, in dem die Hauptkanäle (srotas) der Sinnesorgane zusammenlaufen und in dem das prāṇa in besonderem Maße aktiv ist.
Zu den tradierten Wirkungen der regelmäßigen Kopfmassage zählen die Beruhigung von Geist und Nervensystem sowie der Abbau mentaler Erschöpfung. Traditionell wird angenommen, dass Shiroabhyanga bei Schlaflosigkeit und innerer Unruhe ausgleichend wirkt und einen tiefen, erholsamen Schlaf begünstigt. Empfohlen wird die Anwendung vor dem Schlafengehen. Darüber hinaus werden ihr in der klassischen Überlieferung Wirkungen auf Haar und Kopfhaut zugeschrieben: Sie soll die Haarwurzeln kräftigen, Trockenheit beheben, sprödes Haar regenerieren sowie vorzeitigem Haarausfall und frühzeitigem Ergrauen entgegenwirken. Aufgrund der engen anatomischen und energetischen Verbindung zwischen Kopf und Augen gilt Shiroabhyanga ferner als förderlich für die Sehkraft und die allgemeine Gesundheit der Sinnesorgane. Bei Spannungskopfschmerzen sowie Steifheit im Nacken- und Kieferbereich wird ihr eine lindernde Wirkung zugesprochen.
In technischer Hinsicht wird Shiroabhyanga gemäß der ayurvedischen Überlieferung stets in einer sitzenden Position des Empfängers durchgeführt, da die Durchblutungsverhältnisse für diese Körperregion in liegender Position als ungünstig gelten. Das Öl wird zunächst an drei spezifischen Stellen aufgetragen, bevor es großflächig eingearbeitet wird: am Scheitelpunkt (brahmarandhra oder adhipati marmā), der acht Fingerbreiten (aṅgula) oberhalb der Augenbrauen lokalisiert wird; an der natürlichen Haarwirbelstelle (śikhā), an der traditionell das Ende der suṣumnā-nāḍī verortet wird; sowie in der Knochenmulde am Übergang von Schädelbasis zu Nacken. Die Massage schließt die Stimulation mehrerer marma-Punkte ein, darunter krikāṭikā an der Verbindungsstelle von Wirbelsäule und Schädel, vidhuram hinter den Ohren sowie śaṅkha an den Schläfen. Ergänzend werden die Ohrläppchen und der Ohrknorpel sanft gerieben sowie Stirn und Augenbrauen behandelt, um Spannungen zu lösen, die sich auf den gesamten Körper auswirken können.
Die Wahl des Öls richtet sich nach dem individuellen Konstitutionstyp (doṣa), der Jahreszeit und dem therapeutischen Ziel. Sesamöl, das aus schwarzen Sesamkörnern gewonnen wird, gilt als das universell am besten geeignete Öl für Kopf- und Haarmassagen; traditionell wird seine hohe Linolsäurekonzentration als besonders vorteilhaft für das Gehirn beschrieben. Kokosöl wird wegen seiner kühlenden Eigenschaften bei sommerlicher Hitze oder bei Personen mit ausgeprägter Pitta-Konstitution bevorzugt. Für spezifische therapeutische Zwecke werden medizierte Öle (taila) eingesetzt: Brahmi-Öl bei Gedächtnisschwäche, Bhringaraj-Öl zur Vorbeugung von Ergrauen sowie Dashamoola-Öl bei Vata-bedingten Kopfschmerzen und zur allgemeinen Kopfhautpflege. Kühlende Öle auf Basis von Kürbiskernen, Salat (kāhu) oder Koriander werden bei übermäßiger Körperhitze und hartnäckiger Schlaflosigkeit eingesetzt.
Shiroabhyanga ist in bestimmten Situationen kontraindiziert. Sie sollte nicht unmittelbar nach einer Mahlzeit oder bei akuter Verdauungsschwäche durchgeführt werden. Während eines Fiebers oder einer akuten entzündlichen Pitta-Reaktion ist von der Anwendung abzusehen. Personen mit chronischer oder wiederkehrender Sinusitis in Verbindung mit Kopfschmerzen gelten als nicht geeignet. Unmittelbar im Anschluss an Reinigungsverfahren (śodhana) ist die Anwendung ebenfalls zu unterlassen. Bei Personen mit erhöhtem oder erniedrigtem Blutdruck sollte Shiroabhyanga nur durch erfahrene Therapeuten durchgeführt werden, da die Massage die Durchblutung und die Herzfunktion in relevantem Maß beeinflussen kann.
Shiroabhyanga gehört zur Tradition des klassischen Ayurveda und wird in verschiedenen regionalen Schulen, darunter der Kerala-Tradition, praktiziert.
Siehe auch die Einträge Abhyanga, Adhipati Marma, Shirodhara und Vata.
ayur yoga massage · Thai-Massage · Shiatsu · Ausbilderin
Anne Wuchold
Anne ist seit 15 Jahren Yoga- Thaimassage und Shiatsu- Therapeutin.
Sie lebte 10 Jahren in Indien, die letzten 5 Jahre in Ägypten, arbeitet weltweit als Körpertherapeutin an Land und im Wasser - Yogalehrerin und Freedive-Instructor, leitet Ausbildungen in Deutschland, begleitet Spirituelle Yoga Reisen durch Indien und Blauer Lotus und heilige Tempel Reise in Ägypten und managed ihr Retreat-Center auf Sardinien.
Als gelernte Schauspielerin vereint sie Heilung, Humor und Leichtigkeit sowie präzise Technik in ihren Ausbildungen. Seit über 10 Jahren ist sie in der Pflanzenmedizin aus verschiedenen Traditionen geschult und hat 2007 Yogatherapie in Kerala studiert.
In Chiang Mai, Thailand, lernte sie von Thaimassage-Meistern mit denen sie heute zusammenarbeitet und deren Wissen weltweit weitergeben darf.


