top of page

Srotas

Srotas (srotas; auch Srotāṃsi, Pl.)

Srotas bezeichnet die zahlreichen Kanäle und Transportwege des menschlichen Körpers, durch die Nährstoffe den verschiedenen Geweben zugeführt und Stoffwechselabfallprodukte aus dem Körper abgeleitet werden. Der Sanskrit-Begriff leitet sich von der Wurzel sru ab, die fließen oder strömen bedeutet, und verweist unmittelbar auf die dynamische, strömende Natur dieser Kanäle. Srotas gelten als unerlässlich für die strukturelle und funktionelle Integrität des Organismus: Solange sie offen, unobstruiert und in ihrer normalen Funktion erhalten bleiben, gilt der Körper nach klassischer Auffassung als frei von Erkrankung.

In ihrer Definition werden Srotas als Transportwege für Dhātu beschrieben, die sich in Transformation befinden. Sie fungieren als Träger von Vata, Pitta und Kapha sowie der Nähressenz der Nahrung und der für den Organismus notwendigen Feuchtigkeit. Anatomisch werden sie als röhrenförmige, vom Großen bis zum Winzigsten reichende und häufig verästelt verlaufende Strukturen beschrieben; ihre Farbe entspricht traditionell jener des Dhātu, dem sie zugeordnet sind. Über ihre Transportfunktion hinaus stehen Srotas in enger Verbindung mit den inneren Organen und den Marma-Punkten, den vitalen Energiepunkten des Körpers.

Während einigen Schulen zufolge die Gesamtzahl der Srotas als unermesslich gilt, fasst die klassische Überlieferung vierzehn Hauptkanalsysteme zusammen, von denen jedes über eine spezifische Wurzel, einen charakteristischen Verlauf und typische Zeichen eines Ungleichgewichts verfügt. Die Prāṇavaha Srotas haben ihre Wurzel im Herzen und im großen Atemweg und transportieren den vitalen Atemstrom; eine Störung äußert sich in flacher, schmerzhafter oder übermäßig frequenter Atmung. Die Annavaha Srotas wurzeln im Magen (Āmāśaya) und transportieren Nahrung; Störungen äußern sich in Appetitlosigkeit, Verdauungsschwäche und Erbrechen. Die Udakavaha Srotas, verwurzelt in Gaumen und Bauchspeicheldrüse, transportieren Wasser; ihr Ungleichgewicht zeigt sich in übermäßigem Durst und Trockenheit von Zunge und Gaumen. Die Rasavaha Srotas wurzeln im Herzen und den zehn großen Gefäßen und tragen Plasma und Lymphe; Störungen führen zu Übelkeit, Schwere und Appetitverlust. Die Raktavaha Srotas, mit Leber und Milz verbunden, transportieren das Blut; ihre Vitiation äußert sich in Hauterkrankungen und Blutungsneigungen. Die Māṃsavaha Srotas wurzeln in Bändern und Haut und versorgen das Muskelgewebe; Störungen können Gewebswucherungen und Tumorbildungen nach sich ziehen. Die Medovaha Srotas sind in Nieren und Bauchnetz verwurzelt und transportieren Fettgewebe; ihre Obstruktion wird mit Adipositas und Vorstufen des Diabetes in Verbindung gebracht. Die Asthivaha Srotas, verwurzelt in Fettdepots und Gesäßbereich, versorgen das Knochengewebe; Störungen führen zu übermäßigem Knochenwachstum oder zusätzlichen Zähnen. Die Majjāvaha Srotas haben ihre Wurzel in den Gelenken und transportieren Knochenmark sowie Nervenimpulse; Ungleichgewichte äußern sich in Gelenkschmerzen und Synkopen. Die Śukravaha Srotas wurzeln in Hoden und Penis und transportieren die Reproduktionsflüssigkeiten; ihre Störung führt zu Impotenz oder Samenblasenstein. Die Mūtravaha Srotas, mit Blase und Beckenregion verbunden, leiten den Urin ab; Störungen zeigen sich in schmerzhaftem oder übermäßigem Harnfluss. Die Purīṣavaha Srotas transportieren den Stuhl; Obstruktion führt zu Verstopfung, übermäßiger Fluss zu wässrigem Stuhlgang. Die Svedavaha Srotas, verwurzelt in Fettgewebe und Haarfollikeln, transportieren den Schweiß; Störungen äußern sich in übermäßiger oder vollständig ausbleibender Schweißbildung. Die Manovaha Srotas schließlich, mit Herz, Gehirn und den energetischen Zentren verbunden, bilden den Kanal des Geistes und Bewusstseins; ihre Vitiation führt zu emotionalen und kognitiven Störungen.

Erkrankungen der Srotas entstehen nach klassischer Auffassung, wenn Nahrung oder Lebensgewohnheiten Qualitäten aufweisen, die den Doshas ähneln, den Dhātu jedoch entgegengesetzt sind, und so zu einer Obstruktion oder Fehlleitung der Kanäle führen. Vier Formen der Srotodūṣṭi, der Kanalschädigung, werden unterschieden: übermäßiger Fluss, unzureichender Fluss, Knotenbildung und Rückfluss der Kanalinhalte in umgekehrter Richtung. Ist ein Kanal durch angestaute Doshas chronisch beeinträchtigt, wird nach klassischer Auffassung schließlich das zugehörige Dhātu geschädigt.

Die Gesunderhaltung der Srotas gilt als primäres Ziel ayurvedischer Therapie. Der regelmäßigen Ölmassage (Abhyaṅga) wird eine unmittelbar stimulierende Wirkung auf die Srotas-Aktivität und die Zirkulation der Nährstoffe zugeschrieben. Die Panchakarma-Verfahren, insbesondere Brechmitteltherapie (Vamana) und Ableitungstherapie (Virecana), dienen der Ausleitung vitierter Doshas und der Reinigung der Kanäle von angesammelten Toxinen (Āma). Auf der Ebene der Lebensführung werden Seelenruhe, klares Wissen und eine das Herz und das Ojas nährende Ernährungsweise als grundlegende Voraussetzungen für die langfristige Offenheit und Reinheit der Srotas empfohlen.

Srotas gehören zur Tradition des klassischen Ayurveda und sind in der Caraka Saṃhitā und der Suśruta Saṃhitā als fundamentales physiologisches Konzept beschrieben, wobei beide Texte in der genauen Anzahl und Klassifikation einzelner Kanäle voneinander abweichen.

Ergänzend sei auf die Einträge Sapta Dhātu, Dosha, Āma, Marma, Abhyaṅga, Panchakarma, Manovaha Srotas und Ojas verwiesen.

engin_akyurt-massage-7452918_1920.jpg

28. Juli – 02. August 2026

50 Stunden · Alle Niveaus

_DSC4883.jpg

04. – 09. August 2026

45 Stunden · Fortgeschrittene

ayur yoga massage · Thai-Massage · Shiatsu · Ausbilderin

Anne Wuchold

Anne ist seit 15 Jahren Yoga- Thaimassage und Shiatsu- Therapeutin.

 

Sie lebte 10 Jahren in Indien, die letzten 5 Jahre in Ägypten, arbeitet weltweit als Körpertherapeutin an Land und im Wasser - Yogalehrerin und Freedive-Instructor, leitet Ausbildungen in Deutschland, begleitet Spirituelle Yoga Reisen durch Indien und Blauer Lotus und heilige Tempel Reise in Ägypten und managed ihr Retreat-Center auf Sardinien.

Als gelernte Schauspielerin vereint sie Heilung, Humor und Leichtigkeit sowie präzise Technik in ihren Ausbildungen. Seit über 10 Jahren ist sie in der Pflanzenmedizin aus verschiedenen Traditionen geschult und hat 2007 Yogatherapie in Kerala studiert.

In Chiang Mai, Thailand, lernte sie von Thaimassage-Meistern mit denen sie heute zusammenarbeitet und deren Wissen weltweit weitergeben darf.

_DSC5602.jpg
bottom of page