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Zwischen Mitte Mai und Mitte Juli erreicht die menschliche Kraft laut Ayurveda ihren Tiefpunkt im Jahreszyklus. Diese Phase heißt Grishma Ritu und beschreibt die heißeste Jahreszeit, in der die Sonne der Erde und dem Körper kontinuierlich Feuchtigkeit entzieht. Wer diese Zeit ignoriert, riskiert Erschöpfung, übermäßigen Durst und ein aus dem Gleichgewicht geratenes Pitta-Dosha.

Dieser Guide erklärt, was Grishma Ritu aus ayurvedischer Sicht bedeutet, wie sich die drei Doshas in dieser Phase verhalten und mit welchen konkreten Maßnahmen bei Ernährung (Ahara) und Alltagsverhalten (Vihara) sich der Körper wirksam kühlen lässt. Sie erfahren, welche Lebensmittel empfohlen werden, welche Sie meiden sollten und wie Sie Ihren Tagesablauf an die sommerliche Hitze anpassen.


Was ist Grishma Ritu im Ayurveda?

Grishma Ritu ist im ayurvedischen Jahreszeiten-Modell (Ritucharya) die Sommersaison und umfasst etwa die Zeit von Mitte Mai bis Mitte Juli. Der Ayurveda unterteilt das Jahr in sechs Jahreszeiten (Ritus), die jeweils mit spezifischen Empfehlungen für Ernährung und Lebensstil verbunden sind, um die drei Doshas Vata, Pitta und Kapha im Gleichgewicht zu halten.

In Grishma Ritu dominiert die intensive Sonneneinstrahlung das Klima. Die Hitze entzieht der Erde und dem menschlichen Körper Flüssigkeit, wodurch die körperliche Kraft (Bala) auf ein Jahrestief sinkt. Diese Schwächung ist einer der Gründe, warum der Ayurveda in dieser Phase zu Mäßigung bei körperlicher Anstrengung rät.


Wie verhalten sich die Doshas im Sommer?

Im Sommer verändern sich alle drei Doshas gleichzeitig, jedoch in unterschiedliche Richtungen:

  • Pitta dominiert und sammelt sich an (Sanchaya), da die äußere Hitze das feurige Pitta-Prinzip im Körper verstärkt.

  • Kapha nimmt ab, da die kühle, schwere Kapha-Qualität durch die trockene Sommerhitze reduziert wird.

  • Vata beginnt anzusteigen, angetrieben durch Trockenheit und den Flüssigkeitsverlust der Jahreszeit.

Dieses Zusammenspiel erklärt, warum Sommer-Empfehlungen zwei Ziele gleichzeitig verfolgen: Pitta kühlen und gleichzeitig verhindern, dass Vata durch übermäßige Trockenheit außer Kontrolle gerät. Diese Doppelfunktion unterscheidet Grishma Ritu von anderen Jahreszeiten, in denen meist nur ein Dosha im Vordergrund steht.


Die richtige Ernährung (Ahara) im Sommer

Das Hauptziel der Ernährung in Grishma Ritu ist es, den Körper zu kühlen, ohne die Verdauungskraft (Agni) zu überlasten, die in dieser Jahreszeit ohnehin geschwächt sein kann. Die Ernährung wirkt damit direkt der Pitta-Dominanz entgegen.


Bevorzugte Geschmacksrichtungen

Nach ayurvedischer Klassifikation sollten Sommerspeisen vier Qualitäten besitzen: süß (madhura), kühl (sheeta), flüssig (drava) und leicht ölig (snigdha). Diese Kombination reduziert die Pitta-Hitze und gleicht gleichzeitig den durch Trockenheit ansteigenden Vata-Anteil aus.


Empfohlene Lebensmittel

Zu den empfohlenen festen Nahrungsmitteln zählen Reis, Ghee sowie Fleisch von Tieren aus trockenen Regionen (Jangala-Fleisch). Milch, insbesondere Büffelmilch, gilt als besonders stark kühlend und wird deshalb im Sommer bevorzugt konsumiert.

Bei den Getränken empfiehlt der Ayurveda:

  • Kokoswasser als natürlich kühlendes und mineralstoffreiches Getränk.

  • Buttermilch zur Unterstützung einer leichten, kühlenden Verdauung.

  • Wasser mit Jaggery (unraffiniertem Rohrzucker) zur sanften Energiezufuhr.

  • Mantha, ein traditioneller Kühltrunk aus geröstetem Mehl, Wasser und Zucker.

Bei den Früchten werden vor allem Weintrauben und Granatäpfel hervorgehoben, da beide als besonders vorteilhaft für die Sommermonate gelten.


Was Sie im Sommer meiden sollten

Salzige, saure, scharfe und sehr heiße Speisen sollten in Grishma Ritu weitgehend gemieden werden. Diese Geschmacksrichtungen erhöhen Pitta und damit die innere Körperhitze zusätzlich – ein Effekt, der der eigentlichen Zielsetzung der Sommerernährung entgegensteht.

Auch Alkohol, insbesondere Wein, gehört zu den kritischen Substanzen dieser Jahreszeit. Wein sollte im Sommer idealerweise gar nicht oder nur in geringen Mengen und stark mit Wasser verdünnt konsumiert werden, da unverdünnter Alkohol die Austrocknung und die Pitta-Hitze verstärkt.


Richtiges Verhalten (Vihara) im Sommer

Neben der Ernährung spielt das tägliche Verhalten eine zentrale Rolle dabei, den Körper vor externer Hitze zu schützen und die im Sommer ohnehin reduzierte Kraft nicht zusätzlich zu belasten.


Körperliche Aktivität reduzieren

Schwere körperliche Übungen (Vyayama) sowie langes Gehen in praller Sonne sollten in Grishma Ritu vermieden werden. Dies unterscheidet sich deutlich von anderen Jahreszeiten, in denen intensivere Bewegung empfohlen wird. Sport sollte im Sommer nur sehr moderat betrieben werden, idealerweise in den kühleren Morgen- oder Abendstunden.


Aktive Kühlung des Körpers

Mehrere praktische Maßnahmen unterstützen die Kühlung von außen:

  • Kühlende Ölmassage (Abhyanga): Kokosöl eignet sich aufgrund seiner natürlich kühlenden Eigenschaft besonders gut für Sommermassagen.

  • Sandelholzpaste: Das Auftragen auf die Haut hilft nachweislich, die Körpertemperatur spürbar zu senken.

  • Perlenschmuck: Traditionell wird auch das Tragen von Perlen als kühlende Maßnahme beschrieben.

  • Gesichtswaschungen: Regelmäßiges Waschen des Gesichts mit Wasser, das kühler als die Körpertemperatur ist, wirkt unmittelbar erfrischend.


Schlaf- und Ruheempfehlungen

Ein bemerkenswerter Unterschied zu anderen Jahreszeiten betrifft den Mittagsschlaf: Während Divasvapna (Tagesschlaf) im Ayurveda meist als ungünstig gilt, ist ein kurzer Mittagsschlaf in einem kühlen Raum im Sommer ausdrücklich erlaubt. Der Grund dafür liegt in den kurzen Sommernächten und dem sommerbedingten Anstieg von Vata durch Trockenheit, der so ausgeglichen wird.

Die Abende sollten idealerweise an kühlen Orten verbracht werden – etwa auf einer Terrasse im Mondschein –, um dem Körper eine Erholungsphase nach der Tageshitze zu ermöglichen.


Lebensstil-Anpassungen

Ergänzend empfiehlt der Ayurveda, die Nähe von Wasser und schattigen Orten wie Wäldern mit hohen Bäumen zu suchen sowie leichte, luftige Kleidung zu tragen. Sexuelle Aktivitäten sollten in Grishma Ritu aufgrund der ohnehin reduzierten körperlichen Kraft deutlich eingeschränkt werden.


Warum diese Anpassungen wirken

Die Sommerempfehlungen des Ayurveda folgen einer klaren Logik: Sie zielen darauf ab, das dominante Pitta-Dosha zu besänftigen, ohne dabei das ansteigende Vata zusätzlich zu befeuern. Kühlende, flüssige und leicht ölige Nahrung wirkt der Pitta-Hitze entgegen, während milde Bewegung, ausreichend Ruhe und ein geschützter Tagesablauf verhindern, dass der Körper durch Trockenheit und Hitze zusätzlich geschwächt wird.

Als Resultat dieser kombinierten Maßnahmen bleibt die Vitalität auch in der kräftezehrendsten Jahreszeit weitgehend erhalten, und typische Sommerbeschwerden wie übermäßiger Durst und Erschöpfung lassen sich reduzieren.


Grishma Ritu stellt den Körper vor eine doppelte Herausforderung: sinkende Kraft bei gleichzeitig steigender äußerer Hitze. Der Ayurveda begegnet dem mit einer klaren, zweigleisigen Strategie aus kühlender Ernährung und angepasstem Verhalten. Süße, kühle und flüssige Speisen, kühlende Getränke wie Kokoswasser und Buttermilch sowie der Verzicht auf salzige, scharfe und alkoholische Reize bilden die Basis auf der Ernährungsseite.

Ergänzt wird dies durch reduzierte körperliche Anstrengung, kühlende Ölmassagen, angepasste Schlafgewohnheiten und einen insgesamt schattigeren, ruhigeren Lebensstil. Wer diese Prinzipien in den Sommermonaten konsequent anwendet, unterstützt sein Pitta-Dosha-Gleichgewicht und begegnet der Jahreszeit mit spürbar mehr Energie und Widerstandsfähigkeit.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)


Was bedeutet Grishma Ritu im Ayurveda?

Grishma Ritu bezeichnet im Ayurveda die Sommersaison, die etwa von Mitte Mai bis Mitte Juli dauert. In dieser Zeit entzieht die Sonne der Erde und dem Körper Feuchtigkeit, wodurch die körperliche Kraft ihren jährlichen Tiefpunkt erreicht und das Pitta-Dosha dominiert.


Welches Dosha ist im Sommer am aktivsten?

Im Sommer dominiert das Pitta-Dosha, während Kapha abnimmt und Vata durch die zunehmende Trockenheit anzusteigen beginnt. Ayurvedische Sommerempfehlungen zielen deshalb darauf ab, Pitta zu kühlen, ohne Vata zusätzlich zu erhöhen.

Welche Lebensmittel kühlen den Körper im Sommer am effektivsten?

Besonders kühlend wirken Kokoswasser, Buttermilch, Milch (insbesondere Büffelmilch), Weintrauben und Granatäpfel. Auch Wasser mit Jaggery sowie der traditionelle Kühltrunk Mantha gelten als geeignete Sommergetränke.


Warum sollte man im Sommer auf scharfe und salzige 

Speisen verzichten?

Scharfe, saure, salzige und sehr heiße Speisen erhöhen laut Ayurveda das Pitta-Dosha und damit die innere Körperhitze. Da der Sommer bereits eine Pitta-dominante Jahreszeit ist, verstärken diese Geschmacksrichtungen bestehende Beschwerden wie übermäßigen Durst und Erschöpfung zusätzlich.


Ist Mittagsschlaf im Sommer erlaubt?

Ja. Anders als in den übrigen Jahreszeiten ist ein kurzer Mittagsschlaf (Divasvapna) in einem kühlen Raum im Sommer ausdrücklich erlaubt. Grund dafür sind die kurzen Sommernächte und der sommerbedingte Anstieg von Vata durch Trockenheit.


Welches Öl eignet sich im Sommer am besten für die Abhyanga-Massage?

Kokosöl gilt aufgrund seiner natürlich kühlenden Eigenschaften als besonders geeignet für die Ölmassage (Abhyanga) während der Sommermonate. Es unterstützt die Kühlung des Körpers, ohne die Haut zusätzlich zu reizen.


Darf man im Sommer Alkohol trinken?

Wein sollte im Sommer laut Ayurveda idealerweise gar nicht oder nur in geringen Mengen und stark mit Wasser verdünnt getrunken werden. Unverdünnter Alkohol verstärkt die Austrocknung des Körpers und erhöht zusätzlich die Pitta-Hitze.


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