Akupressur-Atlas

Akupressur-Atlas (jap sen; auch Akupressurpunkte der Thai-Massage, จับเส้น)
Der Akupressur-Atlas des Nuad Boran — im Thailändischen als jap sen bezeichnet, wörtlich etwa als Greifen der Linie zu übersetzen — bildet das systematische Regelwerk für die gezielte Stimulation und Regulierung des Lom-Flusses entlang der zehn Haupt-Sen-Linien (Sip Sen). Die Akupressurpunkte werden in diesem System als Fenster zum Körper verstanden: Stellen, an denen der Austausch zwischen der inneren Körperenergie und der universellen Energie besonders zugänglich ist und durch die eine therapeutische Einwirkung auf den Energiezustand des gesamten Linienverlaufs möglich wird. Fast alle relevanten Punkte liegen auf den zehn Hauptlinien; ihre Lokalisation fällt häufig mit dem Verlauf großer Nervenbahnen, mit Knochennähe oder mit der unmittelbaren Umgebung von Gelenken zusammen. Geweblich zeichnen sich diese Stellen oft durch eine veränderte Textur und eine erhöhte Druckempfindlichkeit aus, die dem erfahrenen Therapeuten als taktile Orientierungshilfe dient.
Die Anwendung eines Akupressurpunkts folgt im System der Shivagakomarpaj-Linie einem dreiteiligen Protokoll. In der ersten Phase wird der Punkt mit fünf kreisenden Bewegungen im und gegen den Uhrzeigersinn vorbereitet und aufgewärmt. Die eigentliche Druckphase besteht aus dreimaligem Daumendruck von jeweils etwa zehn Sekunden Dauer, gegliedert in Druckaufbau, Haltephase und kontrolliertes Lösen. Den Abschluss bilden erneut fünf Beruhigungskreise, die das Gewebe nach der Intervention stabilisieren. Als primäres Druckmittel dient der Daumenballen; bei muskulös gebauten Klienten oder bei neurologischen Einschränkungen wie Lähmungen können alternativ Ellbogen, Knie oder Füße eingesetzt werden, um die erforderliche Drucktiefe zu erreichen.
Der Atlas gliedert den Körper in mehrere Behandlungszonen, denen jeweils eine spezifische Punktegruppe zugeordnet ist. An der Fußsohle finden sich fünfzehn nummerierte Punkte, auf dem Fußrücken weitere zwanzig; besondere Empfindlichkeit weisen die Zwischenräume zwischen den Mittelfußknochen auf. An den Händen verteilen sich die Punkte auf sechzehn Positionen am Handrücken und siebenundzwanzig an der Innenfläche, wobei die Bereiche zwischen den Mittelhandknochen therapeutisch besonders relevant sind. Entlang der Beine und Arme verlaufen die Punkte an der Innen-, Außen-, Vorder- und Rückseite; ein klinisch bedeutsamer Punkt ist das sogenannte Windtor an der Oberschenkelarterie — im Bein-Atlas als Punkt 21 geführt —, das dem Blutstopp-Prinzip der Thai-Massage entspricht und bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Schwangerschaft strikt kontraindiziert ist. Im Torsobereich konzentrieren sich die Punkte um den Bauchnabel, der in der Überlieferung als Ursprung aller Sen-Linien gilt, sowie am Solarplexus, entlang des Musculus iliopsoas und an der Brustwirbelsäule. Am Rücken liegen die Hauptpunkte im Bereich des Femurkopfes, des Darmbeinkamms und des Kreuzbeins. Kopf und Gesicht weisen therapeutisch wirksame Punkte an den Schläfen, am Punkt des sogenannten Dritten Auges zwischen den Augenbrauen sowie am Hinterhauptbein auf.
Bestimmte Punktkombinationen werden im Atlas gezielt zur Behandlung spezifischer Beschwerdebilder eingesetzt. Kopfschmerzen werden durch Punkte an Füßen, Beinen, Händen und am Kopf selbst behandelt. Rückenschmerzen erfordern einen Fokus auf Fußpunkte, Beinlinien und die gesamte Rückenzone. Verdauungsstörungen sprechen auf Akupressur im Abdominalbereich sowie auf spezifische Fußpunkte an. Atemwegserkrankungen wie Asthma werden durch Punkte an Händen, Armen und Brustkorb adressiert. Diese Kombinationen stellen keine abgeschlossenen Protokolle dar, sondern dienen als Orientierungsrahmen, der vom Therapeuten an die individuelle Konstitution und Symptomatik des Klienten angepasst wird.
Die Sicherheitsregeln der Akupressur entsprechen den allgemeinen Prinzipien des Nuad Boran. Direkter Druck auf knöcherne Strukturen ist ausnahmslos zu unterlassen. Bei akuten Entzündungen, Schwellungen oder Gewebsverletzungen — traditionell als gebrochene Energielinie beschrieben — darf kein Druck auf die betroffene Stelle ausgeübt werden. Bei sehr schlanken oder adipösen Klienten, die häufig eine erhöhte Druckempfindlichkeit aufweisen, empfiehlt sich eine reduzierte Intensität; heiße Kräuterkompressen können in solchen Fällen als sanftere Alternative zur manuellen Akupressur eingesetzt werden.
Gehört beiden Traditionen an.
Vgl. die Einträge Sip Sen, Lom, Daumendruck (nuad nieu), Blutstopp, Kräuterkompresse sowie Jivaka Kumar Bhaccha.
ayur yoga massage · Thai-Massage · Shiatsu · Ausbilderin
Anne Wuchold
Anne ist seit 15 Jahren Yoga- Thaimassage und Shiatsu- Therapeutin.
Sie lebte 10 Jahren in Indien, die letzten 5 Jahre in Ägypten, arbeitet weltweit als Körpertherapeutin an Land und im Wasser - Yogalehrerin und Freedive-Instructor, leitet Ausbildungen in Deutschland, begleitet Spirituelle Yoga Reisen durch Indien und Blauer Lotus und heilige Tempel Reise in Ägypten und managed ihr Retreat-Center auf Sardinien.
Als gelernte Schauspielerin vereint sie Heilung, Humor und Leichtigkeit sowie präzise Technik in ihren Ausbildungen. Seit über 10 Jahren ist sie in der Pflanzenmedizin aus verschiedenen Traditionen geschult und hat 2007 Yogatherapie in Kerala studiert.
In Chiang Mai, Thailand, lernte sie von Thaimassage-Meistern mit denen sie heute zusammenarbeitet und deren Wissen weltweit weitergeben darf.



