Extremitäten

Extremitäten als Behandlungs- und Endpunkte der Sen-Linien (kha lae khaen; auch Gliedmaßen, periphere Linienpunkte)
In der Traditionellen Thailändischen Massage (Nuad Boran) nehmen die Extremitäten eine zentrale Doppelrolle ein: Sie bilden sowohl den bevorzugten Ausgangspunkt der Behandlung als auch die Endpunkte mehrerer wichtiger Energielinien (sib sen). Das Verständnis dieser Funktion ist grundlegend für die korrekte Ausführung jeder therapeutischen Routine.
Ein fundamentales Behandlungsprinzip der Nuad Boran besagt, dass die Massage stets an den Extremitäten beginnt, sich von der Peripherie zum Körperkern vorarbeitet und schließlich wieder zu den Gliedmaßen zurückkehrt. Diese Bewegungsrichtung dient dazu, stagnierende Lebensenergie (lom) aus den sen-Linien zu lösen, sie zum Nabel als zentralem Ursprungspunkt zu leiten und von dort wieder nach außen abfließen zu lassen. Die Reihenfolge der Behandlung beginnt grundsätzlich am niedrigsten Punkt des Körpers, den Füßen, und arbeitet sich aufwärts zum Kopf vor; eine Ausnahme bildet die Vorderseite des Rumpfes, die in Richtung des Dickdarmverlaufs drainiert wird.
Mehrere der zehn Hauptlinien verlaufen intensiv durch die Gliedmaßen und verleihen der peripheren Arbeit ihre systemische Reichweite. Sen Kalatharee gilt als die primäre Linie für die Extremitäten: Sie teilt sich am Nabel in vier Äste auf, die durch die Innenseiten der Arme und Beine bis zu den Fingerspitzen und Zehen verlaufen, und ist die einzige der zehn Hauptlinien, die nicht an einer Körperöffnung endet. Sen Sahatsarangsi und Sen Tawaree verlaufen entlang der Beine, wenden am Knöchel und ziehen von dort aufwärts zu Rumpf und Gesicht. Sen Ittha und Sen Pingkhala führen an den Außenseiten der Beine abwärts, wenden auf Kniehöhe und steigen an der Oberschenkelinnenseite wieder auf.
Die Behandlungstechniken an Beinen und Füßen umfassen Daumendrücke entlang der äußeren Beinlinien (o1 bis o3) und der inneren Beinlinien (i1 bis i3). Fersen- und Fußdrucktechniken werden an den Oberschenkeln eingesetzt, um tiefsitzende Spannungen in der Hamstring- und Quadrizepsmuskulatur zu lösen. Das gezielte Öffnen der sogenannten Windtore in den Beinen soll frische Energie bis in die Zehenspitzen leiten. Die Arbeit an Armen und Händen folgt den äußeren und inneren Armlinien; die Behandlung beginnt am Handgelenk und arbeitet sich durch Unterarm und Bizeps bis zum Schultereckgelenk vor, um anschließend wieder nach distal zurückzugleiten.
Den therapeutischen Zuordnungen zufolge fördert die Fußserie, die strukturelle Parallelen zur yogischen Pawanmuktasana-Sequenz aufweist, die Gelenkflexibilität und wird traditionell zur Vorbeugung und Behandlung von Arthritis sowie Steifheit in Knöcheln und Füßen eingesetzt. Aufgrund der Verbindung von Sen Kalatharee mit den Gliedmaßen wird die Arbeit an Armen und Beinen darüber hinaus auch zur Behandlung des Herzbereichs, des Brustraums und zur Förderung des psychischen Gleichgewichts herangezogen. Bei Kindern und älteren Menschen empfiehlt die Praxis eine sanftere Ausführung, bei der leichtes Gelenkmobilisieren und oberflächliches Arbeiten entlang der Linien im Vordergrund stehen.
In der therapeutischen Routine ist es grundlegend, die sen-Linien konsequent von ihrem Ursprung am Nabel bis zu ihren Endpunkten an den Extremitäten zu verfolgen, um Blockierungen des lom-Flusses wirksam aufzulösen.
Gehört beiden Traditionen an.
Weiterführend sind die Einträge Sen Kalatharee, Nabel, Körperöffnungen als Endpunkte der Sen-Linien, Sen Ittha und Sen Pingkhala.
ayur yoga massage · Thai-Massage · Shiatsu · Ausbilderin
Anne Wuchold
Anne ist seit 15 Jahren Yoga- Thaimassage und Shiatsu- Therapeutin.
Sie lebte 10 Jahren in Indien, die letzten 5 Jahre in Ägypten, arbeitet weltweit als Körpertherapeutin an Land und im Wasser - Yogalehrerin und Freedive-Instructor, leitet Ausbildungen in Deutschland, begleitet Spirituelle Yoga Reisen durch Indien und Blauer Lotus und heilige Tempel Reise in Ägypten und managed ihr Retreat-Center auf Sardinien.
Als gelernte Schauspielerin vereint sie Heilung, Humor und Leichtigkeit sowie präzise Technik in ihren Ausbildungen. Seit über 10 Jahren ist sie in der Pflanzenmedizin aus verschiedenen Traditionen geschult und hat 2007 Yogatherapie in Kerala studiert.
In Chiang Mai, Thailand, lernte sie von Thaimassage-Meistern mit denen sie heute zusammenarbeitet und deren Wissen weltweit weitergeben darf.



