Meditativer Bewusstseinszustand

Meditativer Bewusstseinszustand (Moving Meditation; auch Meditation in Bewegung, heilendes Bewusstsein)
Der meditative Bewusstseinszustand bezeichnet jene innere Haltung des Praktizierenden, die in der traditionellen thailändischen Massage, dem Nuad Boran, als grundlegende Voraussetzung für eine wirksame Behandlung gilt. Er unterscheidet eine bloße mechanische Abfolge von Techniken von einer als heilsam verstandenen Praxis und ist eng mit den ethischen und spirituellen Grundlagen des Theravada-Buddhismus verbunden. In der thailändischen Überlieferung wird die Massage nicht als handwerkliche Dienstleistung, sondern als spirituelle Disziplin verstanden, die der Anwendende ähnlich wie eine formale Meditationssitzung vorbereitet und durchführt.
Das Herzstück dieses Zustands ist das Prinzip des Metta (Pali: metta, liebende Güte), das in der buddhistischen Ethik als unbegrenzte Freundlichkeit und Mitgefühl gegenüber allen Lebewesen beschrieben wird. In der Praxis des Nuad Boran wird Metta als die tragende Absicht verstanden, ohne die jede technische Ausführung, so präzise sie auch sein mag, nach Auffassung vieler Meister eine leere Hülle bleibt. Die Massage gilt in dieser Lesart als physische Verkörperung von liebender Güte, bei der jede Berührung Ausdruck einer mitfühlenden Intention ist.
Eng damit verbunden ist das Konzept der Achtsamkeit, das den Praktizierenden in einem Zustand vollständiger Aufmerksamkeit von einem Moment zum nächsten hält. Dieser Zustand wird in der Fachliteratur häufig als Moving Meditation bezeichnet, da er die Qualitäten formaler Sitzmeditation auf eine körperlich aktive Praxis überträgt. Nur wer in einer solchen meditativen Stimmung arbeitet, entwickelt nach Überzeugung der Tradition die notwendige Intuition für den Energiefluss, den Lom (Sanskrit: prana), im Körper des Klienten. Der Anwendende lernt dabei, mit den Händen zu wahrzunehmen, um Intensität und Abfolge der Interventionen individuell und situationsgerecht anzupassen. Zahlreiche Meister beschreiben sich in dieser Funktion nicht als eigenständige Heiler, sondern als Kanäle für die Heilenergie, die traditionell Jivaka Komarabhacca (Pali: Jivaka Kumarabhacca), dem mythischen Gründervater der thailändischen Medizin, zugeschrieben wird.
Die Vorbereitung auf diesen Zustand folgt in der Praxis bestimmten rituellen und technischen Formen. Traditionell beginnt eine Sitzung mit einem Puja, einem meditativen Gebet oder einem Moment der Stille, der dazu dient, den Alltagsgeist zur Ruhe zu bringen und die Absicht bewusst auf das Wohl des Klienten auszurichten. In diesem Zusammenhang wird auch das Konzept des Bhava verwendet, das die Vorbereitung eines heilenden Raumes beschreibt: das Beruhigen des Geistes, das Loslassen ablenkender Gedanken und die vollständige Präsenz im gegenwärtigen Moment. Ein weiteres technisches Element ist die bewusste Synchronisation des Atems: Der Anwendende richtet seinen Bewegungsrhythmus am Atemzyklus des Klienten aus, vertieft Dehnungen bevorzugt in der Ausatmungsphase und schafft so eine harmonische Verbindung, die von einigen Lehrern als gemeinsamer Tanz der Energien beschrieben wird.
Auf Seiten des Klienten zeitigt dieser Bewusstseinszustand des Anwendenden spezifische Wirkungen. Durch rhythmische Bewegungen und die Behandlung der Sen-Energielinien kann der Klient in einen Zustand tiefer Entspannung gleiten, in dem das Unterbewusstsein präsenter wird. Traditionell wird angenommen, dass die sanften Dehnungen und der gleichmäßige Bewegungsrhythmus das parasympathische Nervensystem aktivieren, Stress reduzieren und ein Erleben tiefen inneren Friedens oder Euphorie begünstigen können. Bestimmte Techniken, wie das kurzzeitige Verschließen der Ohren mit einem Vakuumeffekt, schalten externe Reize gezielt aus und lenken die Aufmerksamkeit des Klienten auf Atem und Herzschlag, was eine nach innen gerichtete Einkehr fördert.
In der Zusammenschau gilt der meditative Bewusstseinszustand als jenes Bindeglied, das die körperliche, mentale und energetische Dimension der Behandlung integriert und nach traditioneller Auffassung die Voraussetzung dafür schafft, Blockaden im Lom-Fluss zu lösen sowie das Gleichgewicht im Körper des Klienten wiederherzustellen.
Gehört beiden Traditionen an.
Weiterführend sind die Einträge Metta, Lom, Jivaka Komarabhacca, Puja, Sen sowie Nuad Boran.
ayur yoga massage · Thai-Massage · Shiatsu · Ausbilderin
Anne Wuchold
Anne ist seit 15 Jahren Yoga- Thaimassage und Shiatsu- Therapeutin.
Sie lebte 10 Jahren in Indien, die letzten 5 Jahre in Ägypten, arbeitet weltweit als Körpertherapeutin an Land und im Wasser - Yogalehrerin und Freedive-Instructor, leitet Ausbildungen in Deutschland, begleitet Spirituelle Yoga Reisen durch Indien und Blauer Lotus und heilige Tempel Reise in Ägypten und managed ihr Retreat-Center auf Sardinien.
Als gelernte Schauspielerin vereint sie Heilung, Humor und Leichtigkeit sowie präzise Technik in ihren Ausbildungen. Seit über 10 Jahren ist sie in der Pflanzenmedizin aus verschiedenen Traditionen geschult und hat 2007 Yogatherapie in Kerala studiert.
In Chiang Mai, Thailand, lernte sie von Thaimassage-Meistern mit denen sie heute zusammenarbeitet und deren Wissen weltweit weitergeben darf.



