Paschimottanasana (Vorwärtsbeuge)

Paschimottanasana (sanskrit: paścimottānāsana; auch Dehnung des Westens, englisch Seated Forward Bend, thai: tha kom tua nang)
Paschimottanasana (sanskrit: paścimottānāsana, wörtlich: intensive Dehnung der Westseite des Körpers, womit die gesamte Rückseite des Körpers gemeint ist) ist eine klassische sitzende Vorwärtsbeuge des Hatha Yoga und entspricht in der klassischen Abfolge des Nuad Boran dem Schritt 71, der als Forward Bend with Straight Legs bezeichnet wird. Die Position gehört zu den über 200 Techniken des indischen Hatha Yoga, die eine direkte Entsprechung im thailändischen System des Reusi Dat Ton besitzen, und illustriert exemplarisch die historische Verflechtung beider Traditionen.
In der Ausführung sitzt der Klient mit weit nach vorne ausgestreckten, geschlossenen Beinen, wobei die Knie gestreckt bleiben und die Zehen nach oben zeigen. Während der Klient sich aus der Hüfte nach vorne beugt, wendet der Therapeut Handballendruck, Unterarmrollen oder Ellbogendruck auf die Muskulatur beidseitig der Wirbelsäule an, um die Tiefenmuskulatur des Rückens zu bearbeiten und die Dehnung zu vertiefen. Mehrere anatomische Ausrichtungsprinzipien sind für eine korrekte und sichere Ausführung maßgeblich: Das Schambein wird nach vorne und die Sitzbeinhöcker nach hinten gekippt, um eine Anteversion des Beckens zu erzeugen. Das Brustbein strebt in Richtung der Schienbeine, während die Wirbelsäule lang gestreckt bleibt. Der therapeutische Fokus liegt nicht darauf, den Kopf zum Boden zu bringen, sondern den Bauchnabel in Richtung der Oberschenkel zu führen, um die natürliche Lendenlordose zu bewahren und eine Rundrückenbildung zu vermeiden. Die Quadrizeps-Muskulatur sollte während der gesamten Dehnung aktiviert bleiben.
In der energetischen Systematik des Nuad Boran wird Paschimottanasana primär zur Bearbeitung der Sen-Linien Itha und Pingala eingesetzt, die entlang der Rückseite der Beine und des Rückens verlaufen. Durch die intensive Dehnung der posterioren Körperkette sollen Blockaden in diesen Energiekanälen gelöst und der freie Fluss der Lebensenergie (lom) wiederhergestellt werden.
Therapeutisch dehnt die Position intensiv die gesamte Körperrückseite, insbesondere die Hamstrings, die Wadenmuskulatur und die Rückenmuskulatur, während gleichzeitig die Bauchmuskulatur gestärkt wird. Auf der mentalen Ebene wird der Position traditionell eine stresslindernde und angstmindernde Wirkung zugeschrieben. Darüber hinaus gilt sie in der Überlieferung als hilfreich bei Menstruationsbeschwerden, wobei es sich um eine traditionelle Überzeugung handelt, deren wissenschaftliche Validierung im Einzelfall zu prüfen ist.
Der Therapeut muss während der Ausführung genau darauf achten, dass der Klient die Knie nicht beugt, die Zehen nicht wegstreckt und die Beine nicht zur Seite fallen lässt, da jede dieser Abweichungen die Dehnung aus den Zielstrukturen verlagert. Rücken und Nacken müssen in einer neutralen, gestreckten Position bleiben, um Verletzungen der Halswirbelsäule zu vermeiden. Als Kontraindikation gilt das Vorliegen von Herzproblemen, bei denen die Position nicht angewendet werden sollte.
Weiterführend sind die Einträge Asana, Hatha Yoga, Reusi Dat Ton, Sen Itha und Sen Pingala.
ayur yoga massage · Thai-Massage · Shiatsu · Ausbilderin
Anne Wuchold
Anne ist seit 15 Jahren Yoga- Thaimassage und Shiatsu- Therapeutin.
Sie lebte 10 Jahren in Indien, die letzten 5 Jahre in Ägypten, arbeitet weltweit als Körpertherapeutin an Land und im Wasser - Yogalehrerin und Freedive-Instructor, leitet Ausbildungen in Deutschland, begleitet Spirituelle Yoga Reisen durch Indien und Blauer Lotus und heilige Tempel Reise in Ägypten und managed ihr Retreat-Center auf Sardinien.
Als gelernte Schauspielerin vereint sie Heilung, Humor und Leichtigkeit sowie präzise Technik in ihren Ausbildungen. Seit über 10 Jahren ist sie in der Pflanzenmedizin aus verschiedenen Traditionen geschult und hat 2007 Yogatherapie in Kerala studiert.
In Chiang Mai, Thailand, lernte sie von Thaimassage-Meistern mit denen sie heute zusammenarbeitet und deren Wissen weltweit weitergeben darf.



