Rückenlage (Supine)

Rückenlage (norn lang; auch Supine Position, Rückenlageprotokoll)
Die Rückenlage, im Thai als norn lang bezeichnet, bildet in der Traditionellen Thailändischen Massage (nuad borān) den ersten großen Behandlungsabschnitt einer vollständigen Sitzung. Der Klient liegt flach auf dem Rücken auf der Matte, die Arme ruhen seitlich am Körper mit den Handflächen nach oben, die Beine sind leicht gespreizt — traditionell in einem Winkel von etwa 30° bis 45° — und die Füße fallen locker nach außen. Diese Ausgangsposition entspricht der yogischen Totenstellung (Skt. Śavāsana), die in beiden Haupttraditionen des Nuad Boran als Moment der Sammlung, der inneren Einkehr und der Vorbereitung auf die Behandlung verstanden wird. Der Therapeut nimmt sich häufig einige Augenblicke, um in stiller Haltung den zeremoniellen Einstieg in die Behandlung zu vollziehen, bevor er die erste Berührung setzt.
Die Sequenz beginnt traditionsgemäß an den Füßen und arbeitet sich in Richtung des Kopfes vor, einem Prinzip folgend, das in der Nuad-Boran-Lehre als respektvoller Aufstieg entlang der Sen-Linien verstanden wird. Nach einem vorbereitenden Aufwärmen der Füße werden Palmarpressungen — also Drucktechniken mit der flachen Handfläche (nuad lam) — entlang der Innenseite der Beine ausgeführt, wobei insbesondere die Sen-Linien Itha und Pingala aktiviert werden, die in dieser Körperregion an der Medialseite der unteren Extremitäten verlaufen. Der Rhythmus der Pressungen orientiert sich an der Ausatmung des Klienten; alle Impulse werden idealerweise mit dem Atemzug synchronisiert, um eine tiefere Wirkung auf den Lom — den im System des Nuad Boran zentralen Lebenswind — zu erzielen.
Zu den technischen Grundelementen der Arbeit an den Beinen gehört die Beintraktion: Der Therapeut hebt ein gestrecktes Bein auf etwa 90° an, bis der Unterschenkel parallel zur Matte liegt, und setzt durch das kontrollierte Einbringen des eigenen Körpergewichts einen gleichmäßigen Längszug ein, der auf Gelenk, Muskulatur und den Verlauf der betroffenen Sen-Linien wirken soll. Daran schließen sich Dehnungen an, die strukturell den yoga-ähnlichen Charakter des Nuad Boran deutlich machen: Die Position Supta Padangusthasana — im Deutschen als liegende Hand-zum-Fuß-Dehnung bekannt — wird eingesetzt, um Hüftbeuger, ischiokrurale Muskulatur und Wadenregion zu mobilisieren. Eine laterale Hüftrotation wird durch das geführte Abspreizen des gebeugten Knies nach außen erzeugt. In der sogenannten Baumposition im Liegen wird ein Bein so gebeugt, dass der Fuß auf Höhe des Kniegelenks des gestreckten Beins ruht; der Therapeut setzt dann synchrone Pressungen an Knie und Hüfte ein, um die Außenrotation des Hüftgelenks zu vertiefen.
Eine besondere und in westlichen Massagetraditionen unübliche Technik ist der sogenannte Blutstopp (auch: Femoral Pressure), bei dem gezielter, anhaltender Druck auf die Arteria femoralis im Bereich der Leistenbeuge ausgeübt wird. Die Druckphase beträgt üblicherweise 30 bis 60 Sekunden; nach der Freigabe soll das angestaugte Blut mit verstärkter Strömung in das Bein zurückfließen und dabei eine reinigende, energieaktivierende Wirkung entfalten. Traditionell wird angenommen, dass diese Methode den Fluss des Lom in den unteren Extremitäten reguliert. Sie ist strikt kontraindiziert bei Schwangerschaft, bei bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei Thromboseverdacht sowie bei Klienten mit stark eingeschränkter peripherer Durchblutung.
Am Übergang zum Oberkörper folgt die abdominale Arbeit, die im Nuad Boran einen eigenständigen Bereich darstellt. Die Behandlung des Bauches beginnt am Nabel mit kreisenden Palmarpressungen und weitet sich spiralförmig nach außen aus. Traditionell wird angenommen, dass diese Technik die Aktivität von Sen Itha und Sen Pingala in der Bauchregion unterstützt, Verdauungsprozesse fördert und energetische Blockaden im Zentrum des Körpers löst. Alle Interventionen im Abdomenbereich erfordern eine besondere Achtsamkeit und setzen voraus, dass der Klient keine akuten Erkrankungen der Bauchorgane, keine Entzündungen und keine Schwangerschaft aufweist.
Die Arbeit am Brustkorb konzentriert sich auf den Bereich oberhalb des Solarplexus und des Sternums. Sanfte Palmarpressungen und kreisende Bewegungen mit der flachen Handfläche sollen traditionell den Brustraum öffnen und die mit dem Herzchakra in Verbindung gebrachten Energiequalitäten aktivieren. Bei erhöhter Empfindlichkeit im Brustbeinbereich — etwa nach Operationen oder bei Klienten mit Atemwegserkrankungen — wird empfohlen, ein gefaltetes Tuch oder ein flaches Kissen als Polsterschutz einzusetzen; in letzterem Fall kann auch eine leichte Erhöhung des Oberkörpers durch eine Unterlage hilfreich sein, um ein Engegefühl in Rückenlage zu vermeiden.
Die Arbeit an den Armen und Händen erfolgt ebenfalls in Rückenlage. Die inneren und äußeren Armlinien — die Sen-Linien, die entlang des Unter- und Oberarms verlaufen — werden durch Palmar- und Daumendruck (nuad nieu) bearbeitet. Die Handmassage umfasst das transversale Dehnen der Mittelhandknochen sowie das sanfte achsengerechte Ziehen an den einzelnen Fingern, das nach manchen Schulen auf die distalen Enden der Sen-Linien einwirkt.
Aus der Rückenlage heraus werden in fortgeschrittenen Protokollen intensive Asanas eingeführt, die dem Nuad Boran seinen Charakter als assistiertes Yoga verleihen. Der Pflug (Skt. Halāsana) — bei dem die Beine des Klienten über den Kopf bis zum Boden geführt werden, während der Therapeut den Lendenbereich stützt — dehnt die gesamte Wirbelsäule, insbesondere die zervikale und thorakale Region. Der gestützte Schulterstand (Skt. Sālamba Sarvāṅgāsana) hebt den Klienten auf die Schultern; traditionell wird angenommen, dass diese invertierte Position beruhigend auf das Nervensystem wirkt und die Halswirbelsäule sowie die Schultermuskulatur mobilisiert. Die Schmetterlingsposition (auch: Butterfly), bei der beide Beine nach außen gebeugt werden und die Fußsohlen einander berühren, während die Arme seitlich ausgestreckt auf der Matte liegen, öffnet die Leistenregion und die Adduktoren und erlaubt dem Therapeut gleichzeitige beidseitige Pressungen an Knie und Hüfte.
Während der gesamten Arbeit in Rückenlage ist auf die korrekte Ausrichtung des Beckens und der Lendenwirbelsäule zu achten: Becken und unterer Rücken sollen flach auf der Matte aufliegen; eine Hyperlordose oder ein verdrehtes Becken erhöht das Verletzungsrisiko bei Dehnungen und Traktionen erheblich. Alle Bewegungsimpulse werden mit der Ausatmung des Klienten koordiniert; der Therapeut reguliert Intensität und Geschwindigkeit kontinuierlich durch Beobachtung von Atemrhythmus, Muskeltonus und nonverbalem Feedback.
Gehört beiden Traditionen an.
Vgl. die Einträge Sen Itha, Sen Pingala, Lom, Supta Padangusthasana sowie Blutstopp.
ayur yoga massage · Thai-Massage · Shiatsu · Ausbilderin
Anne Wuchold
Anne ist seit 15 Jahren Yoga- Thaimassage und Shiatsu- Therapeutin.
Sie lebte 10 Jahren in Indien, die letzten 5 Jahre in Ägypten, arbeitet weltweit als Körpertherapeutin an Land und im Wasser - Yogalehrerin und Freedive-Instructor, leitet Ausbildungen in Deutschland, begleitet Spirituelle Yoga Reisen durch Indien und Blauer Lotus und heilige Tempel Reise in Ägypten und managed ihr Retreat-Center auf Sardinien.
Als gelernte Schauspielerin vereint sie Heilung, Humor und Leichtigkeit sowie präzise Technik in ihren Ausbildungen. Seit über 10 Jahren ist sie in der Pflanzenmedizin aus verschiedenen Traditionen geschult und hat 2007 Yogatherapie in Kerala studiert.
In Chiang Mai, Thailand, lernte sie von Thaimassage-Meistern mit denen sie heute zusammenarbeitet und deren Wissen weltweit weitergeben darf.



