Sen-Linien

Sen (sēn; auch Sen-Linie, Energiekanal; Sanskrit: nāḍī; auch Sip Sen für die zehn Hauptlinien)
Die Sen-Linien bilden das theoretische Fundament der traditionellen thailändischen Massage und Heilkunst. Sie bezeichnen ein Netzwerk unsichtbarer Energiekanäle, die den physischen Körper durchziehen und die Lebensenergie Lom durch den Organismus leiten. Das Konzept steht in enger Verwandtschaft mit den Nadis der indischen Yoga-Philosophie und weist strukturelle Parallelen zu den Meridianen der Traditionellen Chinesischen Medizin auf, ohne mit diesen Systemen identisch zu sein. Die Sen gelten als Bestandteil eines übergeordneten Energiekörpers, der in einigen Quellen mit dem Sanskrit-Begriff Pranamaya Kosha bezeichnet wird. Die Gesamtzahl der Sen wird in der Überlieferung mit 72.000 angegeben, wobei diese Zahl traditionell eher symbolisch für eine unbestimmbar große Menge steht als eine präzise anatomische Aussage.
Ein ungestörter Fluss der Lebensenergie durch die Sen gilt als Grundvoraussetzung für Gesundheit; Blockaden oder Unterbrechungen in diesen Kanälen werden als ursächlich für Schmerzen, Unwohlsein und manifeste Erkrankungen angesehen. Die therapeutische Arbeit des Nuad Boran ist darauf ausgerichtet, solche Blockaden aufzulösen und den freien Energiefluss wiederherzustellen.
Aus der Gesamtheit der Sen konzentriert sich die Praxis auf zehn Hauptlinien, die als Sip Sen bezeichnet werden und als energetische Hauptbahnen des Organismus fungieren. Alle Hauptlinien entspringen traditionell im Bereich des Nabels und enden an den Körperöffnungen oder Extremitäten. Sen Sumana verläuft vom Nabel zur Zungenwurzel und steht in Zusammenhang mit dem Atmungssystem und dem Herzen. Sen Itha auf der linken und Sen Pingala auf der rechten Körperseite führen über die Beine und den Rücken zu den Nasenlöchern und werden vorrangig bei Kopfschmerzen und Rückenbeschwerden behandelt. Sen Kalatharee teilt sich in vier Äste zu Händen und Füßen und beeinflusst nach traditioneller Auffassung den gesamten Bewegungsapparat sowie das psychische Gleichgewicht. Sen Sahatsarangsi links und Sen Tawaree rechts führen zu den Augen und gelten als relevant für die Augengesundheit und die unteren Bauchorgane. Sen Lawusang links und Sen Ulanga rechts enden an den Ohren und stehen in Bezug zum Gehör und zum Halsbereich. Sen Nantakawat ist den Ausscheidungsorganen zugeordnet, während Sen Kitcha die Fortpflanzungsorgane und die sexuelle Funktion betrifft.
In der praktischen Anwendung werden die Sen durch Akupressur, im Thailändischen als Jap Sen bezeichnet, und durch Dehnungen bearbeitet. Ein klassischer Behandlungsablauf folgt einem strukturierten Muster, das mit Dehnung beginnt, über Handballendruck und gezielten Daumendruckdirekt auf der Linie fortschreitet und in umgekehrter Reihenfolge abgeschlossen wird. Obwohl die Sen keine materiellen Strukturen sind, folgen sie in der anatomischen Orientierung häufig den Faszienverläufen und den Vertiefungen zwischen den Muskeln; in modernen Lehrbüchern werden Segmente entsprechend mit Kürzeln wie i1 für die erste innere oder o1 für die erste äußere Linie bezeichnet. Therapeutisch wird zwischen chronischen Blockaden, die mit Wärme und starkem Druck behandelt werden, und akuten Unterbrechungen der Sen unterschieden, bei denen Kälte und indirekter Druck zum Einsatz kommen.
Gehört beiden Traditionen an.
Siehe auch die Einträge Lom, Sip Sen, Pranamaya Kosha, Jap Sen sowie die einzelnen Einträge zu den zehn Hauptlinien.
ayur yoga massage · Thai-Massage · Shiatsu · Ausbilderin
Anne Wuchold
Anne ist seit 15 Jahren Yoga- Thaimassage und Shiatsu- Therapeutin.
Sie lebte 10 Jahren in Indien, die letzten 5 Jahre in Ägypten, arbeitet weltweit als Körpertherapeutin an Land und im Wasser - Yogalehrerin und Freedive-Instructor, leitet Ausbildungen in Deutschland, begleitet Spirituelle Yoga Reisen durch Indien und Blauer Lotus und heilige Tempel Reise in Ägypten und managed ihr Retreat-Center auf Sardinien.
Als gelernte Schauspielerin vereint sie Heilung, Humor und Leichtigkeit sowie präzise Technik in ihren Ausbildungen. Seit über 10 Jahren ist sie in der Pflanzenmedizin aus verschiedenen Traditionen geschult und hat 2007 Yogatherapie in Kerala studiert.
In Chiang Mai, Thailand, lernte sie von Thaimassage-Meistern mit denen sie heute zusammenarbeitet und deren Wissen weltweit weitergeben darf.



